Pro und Contra
Eintrittsgeld für den Kölner Dom?

Name: Ja!
In der Frage »touristische Besichtigungsgebühr« für den Kölner Dom gibt es kein eindeutiges Schwarz oder Weiß. Wir haben das Thema im Domkapitel lange abgewogen und gründlich von allen Seiten betrachtet. Leichtfertig haben wir die Entscheidung wahrlich nicht getroffen. Zu gerne haben wir den sechs Millionen Menschen aus aller Welt, die jährlich unsere Kathedrale besuchen, den Dombesuch zum Geschenk gemacht. Während an anderen prominenten Kirchen mit aufwändigem Erhalt und Unterhalt eine touristische Gebühr längst üblich ist, haben wir in Köln viele Jahre lang einen freien Eintritt möglich machen können. Dank unserer Zuschussgeber, dem Erzbistum Köln, dem Zentral-Dombau-Verein, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Köln, aber auch dank eigener Einnahmen.
Doch Energie-, Material- und Personalkosten sind rapide angestiegen, Zuschüsse und Einnahmen sind etwa auf gleichem Niveau geblieben – und unsere Rücklagen sind erschöpft. Diese Entwicklung hat uns gezwungen, in Verantwortung für den Dom und für kommende Generationen eine Entscheidung zu treffen. Und diese lautet: Wir nehmen jene finanziell mit in die Pflicht, die sich als Tagesbesucherinnen und -besucher an der Schönheit und Einzigartigkeit der Hohen Domkirche erfreuen.
Ein Besuch der 1800 bis 2000 Gottesdienste, die wir pro Jahr im Kölner Dom feiern, ist weiterhin uneingeschränkt möglich. Ebenso bleibt der Zugang zu Opferlichtern und zum stillen Gebet in bestimmten Bereichen weiterhin kostenfrei. Dadurch garantieren wir, dass der Dom als Gotteshaus täglich von 6 Uhr morgens bis abends 20 Uhr offensteht.
Wir haben Verständnis für alle, die sich an den Gedanken einer Besichtigungsgebühr gewöhnen müssen oder ihm ablehnend gegenüberstehen. Und deshalb war es uns wichtig, noch eine besondere Brücke zu bauen: Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins, die den Dom ohnehin finanziell unterstützen und einen Jahresbeitrag ab 20 Euro zahlen, bleiben von der Gebühr ausgenommen. Für 20 Euro kommt man nicht ein einziges Mal in den Kölner Zoo (dort kostet der Eintritt 23 Euro), aber zu den Öffnungszeiten ein Jahr lang unbegrenzt in den Kölner Dom. Wir meinen: Das ist fair. Und das kann sich jeder leisten.
Jedes Domticket hilft uns, unseren Dom in bewährter Weise für kommende Generationen zu erhalten und zu bewahren. Wir bauen auf das Verständnis der vielen Menschen, denen unser Dom etwas bedeutet und denen bei seinem Anblick das Herz aufgeht. Mit der neuen Besichtigungsgebühr möchten wir uns nicht bereichern, sondern dem Dom ohne Sorge jede Pflege und jeden Schutz angedeihen lassen, die er als Gotteshaus, gotisches Meisterwerk und Weltkulturerbe benötigt.

Name: Nein!
Verheißungen kann man nicht kaufen. Deswegen sind sie so unverzichtbar. Wer schon mal im Stadion ein Spiel des 1. FC Köln besucht hat, der kennt das. »Herzlich willkommen in der schönsten Stadt Deutschlands!« Mit diesen Worten begrüßt Stadionsprecher Michael Trippel bei jedem Heimspiel die Gästefans. Bevor du auf deinem Platz angekommen bist, ist die Straßenbahn allerdings schon liegengeblieben, und du bist über Berge von Unrat gestiegen. Wenn aber jetzt alle ihre Schals drehen und augenscheinlich vieles – eigentlich alles – dagegenspricht, dann fühlst du trotzdem: Da ist was dran.
So ähnlich verhält es sich mit dem Kölner Dom. Er sei für viele Kölner und Nicht-Kölner ein »Heimatsymbol«, sagt der Psychologe Stephan Grünewald vom Rheingold-Institut. »Wir haben schon eine Krise der fehlenden Verbundenheit und das Gefühl, in unserem Land nicht mehr willkommen zu sein«, meint er. Da sei Köln immer ein Vorbild gewesen. Wenn der Dom jetzt Eintritt verlange, hätten die Menschen das Gefühl, die Heimat verschließe sich einem. Er bezweifle, dass Weltoffenheit bei gleichzeitiger Dom-Geschlossenheit funktioniere.
Verheißungen kann man nicht kaufen. Sie sind ein Geschenk. Als Kölner stehe ich manchmal fassungslos davor, was die Menschen mit dieser Stadt verbinden. In der doch so oft so wenig läuft. Beinharte Atheisten erzählen mir seufzend, wie ihr Herz aufgeht, wenn sie auf der A4 an der Raststätte Frechen vorbeifahren und sich nachts auf einmal die Silhouette der Stadt mit ihren zwei »Leucht-Türmen« erhebt.
Der Dom ist steingewordene Verheißung: die Welt ist anders, als sie oft scheint. Sie ist warm, sie ist gastfreundlich, sie ist schön. Und: Der Dom und ich – wir sind ein Teil davon. Erstaunlich eigentlich, dass das Domkapitel nicht die Kölnerinnen und Kölner ins Kirchenschiff holt und um Rat fragt: »Unser Dom ist in Not – was wollen wir machen?« Ich bin mir sicher: Ideen würden fließen wie das Kölsch im Kölner Brauhaus Früh gegenüber.
Ob es eine zweite Stadt auf der Welt gibt, die so einen Schatz hat? Wer von Touristen demnächst einen ins graue Kleid einer »Besichtigungsgebühr« gewandeten Eintritt verlangt, der hat den Glauben an die Wirkmächtigkeit von Verheißungen jedenfalls ein Stück weit fahren lassen. Was schade ist. Sie sind doch die Grundierung auch der christlichen Religion. Wer vermag schon die Grenze zwischen Staunen und Stoßgebet, zwischen Besichtigen und Besinnen zu bestimmen? Ein Eintritt macht den Kölner Dom zum Museum – nicht die Menschen, die ihn betreten. Und nimmt ihm damit ein großes Stück von dem, wozu er einmal erdacht und erbaut worden ist.
Guido Assmann ist Dompropst im Erzbistum Köln.
Peter Otten ist Pastoralreferent mitten in Köln.
Eintrittsgeld für den Kölner Dom?




