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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2022
Opfer bringen
Der Krieg, Karfreitag und die Osterhoffnung
Der Inhalt:

Pro und Contra
Zeitenwende im Vatikan?

vom 05.04.2022
Papst Franziskus hat eine neue Ordnung für die Kurie in Rom erlassen: Die einzelnen Abteilungen müssen nicht mehr von Priestern geleitet werden. Auch Frauen können dort nun Chefin werden. Ist das ein Durchbruch? Stimmen Sie ab.
Eine der ersten Frauen im Vatikan, die was zu sagen haben: Nathalie Becquart, Untersekretärin der Bischofssynode, mit Papst Franziskus (Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA)
Eine der ersten Frauen im Vatikan, die was zu sagen haben: Nathalie Becquart, Untersekretärin der Bischofssynode, mit Papst Franziskus (Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA)

Agnes Wuckelt:

Ja, die Zeichen mehren sich!

Ja, es zeichnet sich eine Zeitenwende ab! Anzeichen dafür gibt es, seit Franziskus 2013 Papst wurde. Auf seinem – immer wieder ausgebremsten – Reformkurs erlässt er zahlreiche Dekrete zur Änderung des Rechts und der Strukturen des Vatikans. Unter ihm werden etliche (Ordens-)Frauen in höhere Positionen berufen. Er ermutigt die Bischofskonferenzen, die Gegebenheiten in ihrer Ortskirche selbst pastoral zu bewerten und zu regeln. Immer wieder mahnt er an, neue Prioritäten durch eine konsequente Orientierung am Evangelium zu setzen. »Predigt das Evangelium!« soll daher auch als Leitlinie für die neue Kirchenverfassung gelten.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 07/2022 vom 08.04.2022, Seite 8
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Der Krieg, Karfreitag und die Osterhoffnung

Sie kommt zwar überraschend, aber folgt konsequent diesem Kurs des Papstes: Die nationalen Bischofskonferenzen sollen gestärkt werden, indem die starke Zentrierung auf die römische Kurie zugunsten einer Dezentralisierung relativiert wird. Der Verwaltungsapparat wird verkleinert. Er soll die Universalität der Kirche spiegeln und ihrer Vielfalt gerecht werden: Kleriker, Ordenschristinnen und Laien, Männer und Frauen aus den verschiedenen Regionen der Welt sollen dort miteinander arbeiten. Die Anforderungen an alle Mitarbeitenden entsprechen denen einer modernen Verwaltung: Kompetenz, Professionalität, Funktionalität, Rationalität, Effektivität, Transparenz, Zusammenarbeit, Entwicklung von Arbeitsplänen, regelmäßige Treffen, Konsultationen und Einbezug der Wissenschaften. Und was noch vorgesehen ist: Frauen können die neu geordneten Ministerien der römischen Kurie leiten. Die bereits vom Papst vorgenommenen Beförderungen von Frauen in wichtige Ämter sind nun rechtlich abgesichert. Auf die Umsetzung des neuen Grundgesetzes dürfen wir gespannt sein.

Chantal Götz:

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Nein, Franziskus hält am Patriarchat fest!

Wenn wir von einer möglichen Zeitenwende sprechen wollen, dann war die 2013: Ein Papst sprach erstmals über die Rolle der Frauen in der Kirche und dass ihnen mehr Raum gegeben werden müsse. Das war ein Gefühl des »Prager Frühlings« in einer 2000 Jahre alten patriarchalen Institution. Aber 2022 die Kurienreform als Wendepunkt zu bezeichnen? Als feministische Katholikin sage ich: Die Chancen auf fundamentale Reform wurden verpasst! Und aus unternehmerischer Sicht: wieder männergemacht ohne Resultate!

2017 haben wir Frauen von »Voices of Faith« dem Papst vorgeschlagen, einen Rat von Frauen an seine Seite zu stellen. Das hätte den notwendigen Unterschied gemacht und vielleicht einen Hauch von Zeitenwende hinsichtlich Gleichberechtigung und Gerechtigkeit eingeleitet. Auch haben wir darauf hingewiesen, dass es transparente Bewerbungsprozesse in der Kurie braucht, um die Führungsetagen mit den fähigsten Personen zu besetzen und nicht mit den günstigsten und dabei einseitig ausgebildeten. Die Kurie würde heute reformierter dastehen. Aber Franziskus hält am Patriarchat fest und ist beratungsresistent. Dies spiegelt sich in seiner Reform wider: Nur kosmetische und oberflächliche Veränderungen, wie eine Schaufensterdekoration, die sich nicht mit den strukturellen Ungerechtigkeiten und toxischen Machtverhältnissen befasst. Es ist gleichzeitig erschreckend, wie die Menschen, die römische Katholikinnen und Katholiken bleiben wollen, verzweifelt daran glauben, dass der Papst die richtigen Dinge tut. Es macht sie regelrecht blind, um ja nicht sehen zu müssen, mit welch diskriminierendem System wir es zu tun haben. Wir hätten so dringend eine Revolution gebraucht. Nach langen Jahren mit Vatikaneinblick sage ich: Es ist zu spät!

Die Umfrage ist vorbei: so haben unsere Leser abgestimmt!

Zeitenwende im Vatikan?

Papst Franziskus hat eine neue Ordnung für die Kurie in Rom erlassen: Die einzelnen Abteilungen müssen nicht mehr von Priestern geleitet werden. Auch Frauen können dort nun Chefin werden. Ist das ein Durchbruch? Stimmen Sie ab.
22 x Ja, die Zeichen mehren sich!
53 x Nein, Franziskus hält am Patriarchat fest!
insgesamt abgegebene Stimmen: 75
71%
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Gustav Haab
13.05.2022
Die Volksweisheit: »Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer« trifft hier voll zu. Jeder Schritt, sich aus der dogmatischen Klammer Roms zu befreien, wird an der römischen Definitionsmacht, scheitern. »Wes Brot ich ess’, des Lied ich sing«, besser kann man den Zustand nicht umschreiben: »Fest soll mein Taufbund immer stehen, ich will die Kirche hören ...« Eine so sorgsam abgesicherte Machtdefinition wird wahrscheinlich nur ohne den Segen Roms durch eine Kirchenspaltung wie zur Reformationszeit gebrochen werden können – mit allen Folgen, die wir bereits aus der Geschichte kennen.
Rita Schelden
13.05.2022
Die katholische Kirche will künftig auch Frauen in die Leitungsebene der Kurie einbinden. Auch in diesem Entscheid spiegelt sich die traditionelle, jahrhundertealte Auffassung der Kirche wider: Frauen wird etwas gewährt, es wird ihnen etwas zugestanden, nicht aus ihren eigenen Fähigkeiten heraus und auch nicht im Sinne einer Gleichberechtigung, sondern um »etwas Druck aus dem Kessel« zu nehmen. Solange Frauen in der Hierarchie der Kirche nicht die volle Wirkungsmöglichkeit wie die Weihe erlangen können, wird die Kirche in geistiger Hinsicht erstarren und verarmen. Wie viel Potenzial an Begabung und Berufung zur Nachfolge im Glauben geht verloren durch die traditionellen, hierarchischen Machtverhältnisse in der Katholischen Kirche. Daran ändert die neue Kurienordnung des Papstes leider substanziell nichts.
Gustav Haab
10.04.202219:13
Die Volksweisheit: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" trifft hier voll zu. Jeder Schritt, sich aus der dogmatischen Klammer Roms zu befreien, wird an der römischen Definitionsmacht, scheitern. Wes" Brot ich ess´, des Lied ich sing", besser kann man den Zustand nicht umschreiben:" Fest soll mein Taufbund immer stehen, ich will die Kirche hören..." Eine so sorgsam abgesicherte Machtdefinition wird wahrscheinlich höchstens ohne den Segen Roms durch eine Kirchenspaltung wie zur Reformationszeit nur gebrochen werden können - mit allen Folgen, die wir bereits aus der Geschichte kennen. Damit droht auch der Einfluss auf die Politik verloren zu gehen, der momentan noch stattfinden kann. Es gilt das Vermächtnis des verstorbenen Prof. Hans Küng mit seinem Projekt Weltethos: Wenn es keinen Frieden der Religionen gibt, wird es keinen Weltfrieden geben!
Rita Schelden
10.04.202218:03


Die katholische Kirche will künftig auch Frauen in die Leitungsebene der Kurie einbinden.
Auch in diesem Entscheid spiegelt sich die traditionelle, jahrhundertealte Auffassung der Kirche wider: Frauen wird etwas gewährt, es wird ihnen etwas zugestanden, nicht aus ihren eigenen Fähigkeiten heraus und auch nicht im Sinne einer Gleichberechtigung, sondern um "etwas Druck aus dem Kessel" zu nehmen.
Solange Frauen in der Hierarchie der Kirche nicht die volle Wirkungsmöglichkeit wie die Weihe erlangen können, wird die Kirche in geistiger Hinsicht erstarren und verarmen. Wieviel Potential an Begabung und Berufung zur Nachfolge im Glauben geht verloren durch die traditionellen, hierarchischen Machtverhältnisse in der Katholischen Kirche. Daran ändert die neue Kurienordnung des Papstes leider substantiell nichts.






Hans-Jürgen Fillenberg
10.04.202211:14
Es sprießen zwar da und dort zarte Pflänzchen der Hoffnung, auch im Vatikan.
Jedoch trampeln Betonköpfe wie G.L.Müller und andere, in Deutschland Rudolf Voderholzer mit Gleichgesinnten darauf herum, zerstören bzw. lassen viele Pflänzchen gar nicht hochkommen und sich entfalten.