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Pro und Contra
Ist das Deutschlandticket noch sinnvoll?

Zum Jahresbeginn 2026 ist das Einheitsticket erneut teurer geworden. Wird es dem Versprechen, klimafreundliche Mobilität für alle zu ermöglichen, überhaupt gerecht?
vom 16.12.2099
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Ein Ticket für alle Verkehrsverbünde. Ist so einfach... (Foto: pa/Sueddeutsche Zeitung Photo)
Ein Ticket für alle Verkehrsverbünde. Ist so einfach... (Foto: pa/Sueddeutsche Zeitung Photo)

Özlem Ünsal: Ja!

Özlem Ünsal (SPD) ist Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung in der Hansestadt Bremen. (Foto: Pepe Lange)Das Deutschlandticket ist weit mehr als ein Ticket. Es steht für die einfache Idee, dass Mobilität für alle möglich sein muss, unabhängig vom Einkommen, vom Wohnort oder davon, ob man die komplizierten Tarifzonen der verschiedenen Städte versteht. Deshalb halte ich das Ticket für sinnvoll – und für ein Versprechen, das wir nicht leichtfertig aufgeben dürfen.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 24/2025 vom 19.12.2025, Seite 8
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Seit seiner Einführung hat dieses Ticket das Leben vieler Menschen spürbar erleichtert. Familien können flexibel und ohne vorherige Kalkulation Ausflüge machen. Auszubildende und Studierende kommen ohne finanziellen Druck zur Schule, zur Uni oder zur Arbeit. Menschen, die keinen Pkw besitzen, sind nicht länger benachteiligt. Es geht um alltägliche Freiheit: einfach einsteigen und losfahren können, ohne ständig Kosten abwägen zu müssen.

Außerdem hat das Deutschlandticket etwas geschafft, woran viele vorher gescheitert sind: Es hat den öffentlichen Nahverkehr verständlich gemacht. Die komplizierten Grenzen zwischen Städten, Landkreisen und Verkehrsverbünden spielen nun keine große Rolle mehr. Wer Bus und Bahn nutzt, weiß, was er bezahlt – und dass es bezahlbar bleibt. Dieser Kulturwandel ist ein enormer Fortschritt.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Ein Ticket allein macht noch keinen guten Nahverkehr. Es braucht zuverlässige Busse und Bahnen, gute Verbindungen und eine Infrastruktur, die trägt. Deswegen investieren wir in Bremen weiter in das Angebot, in dichtere Takte, bessere Anbindungen und moderne Verkehrswege. Das Deutschlandticket ist ein Türöffner, aber der Raum dahinter muss gut gestaltet sein. Daran arbeiten wir jeden Tag.

Klar ist außerdem: Damit das Ticket eine Zukunft hat, brauchen wir eine solide finanzielle Grundlage. Diese Verantwortung können Kommunen nicht allein tragen. Bund und Länder müssen gemeinsam sicherstellen, dass die Kosten dauerhaft gestemmt werden können. Mobilität gehört für mich zur öffentlichen Daseinsvorsorge – und die sollte nicht davon abhängen, wie viel Geld gerade im Haushalt übrig ist.

Noch etwas ist mir persönlich besonders wichtig: Das Deutschlandticket sorgt dafür, dass Mobilität nicht zu einem sozialen Trennfaktor wird. Es ermöglicht Teilhabe und schützt vor Ausgrenzung. Es gibt Menschen mehr Unabhängigkeit und damit mehr Würde im Alltag. In Zeiten, in denen viele das Gefühl haben, dass ihnen etwas weggenommen wird, ist dieses Ticket ein Angebot, das verbindet statt spaltet.

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Deshalb bin ich überzeugt, dass das Deutschlandticket sinnvoll ist. Es zeigt, wie eine gerechtere und klimafreundlichere Mobilität für alle aussehen kann. Wir sollten diesen Weg weitergehen.

Christian Böttger: Nein!

Christian Böttger ist Professor für Industrial Marketing, Verkehrswesen und Eisenbahn an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Technik. (Foto: Nikolas Fahlbusch)Mit der Einführung des Deutschlandtickets waren vielfältige Erwartungen verbunden. Vor allem wurde eine erhebliche Verkehrsverlagerung mit positiven Auswirkungen für das Klima prognostiziert. Die Politik äußerte die Hoffnung, dass das Ticket die komplexen und teuren Verwaltungsstrukturen bei Tarif- und Verkehrsverbünden vereinfachen würde. Auch die finanzielle Entlastung von Menschen mit geringem Einkommen wurde als Vorteil benannt.

Nach zweieinhalb Jahren sind die Ergebnisse ernüchternd. Bis heute ist die Finanzierung des Deutschlandtickets nicht gesichert. Bund und Länder stellen drei Milliarden Euro jährlich zur Verfügung, den Verkehrsunternehmen fehlen aber rund fünf Milliarden an Einnahmen. Etliche Betreiber mussten bereits ihr Verkehrsangebot ausdünnen. 2026 sind weitere Kürzungen zu erwarten, erste Unternehmen stehen vor der Insolvenz.

Das Deutschlandticket hat außerdem nur eine geringe Verkehrsverlagerung vom Pkw zu öffentlichen Verkehrsmitteln und entsprechend kaum eine Senkung klimaschädlicher Emissionen bewirkt. Dafür hat sich ein Teil des Fernverkehrs auf Regionallinien verlagert, mit der Folge, dass auf einigen Nebenstrecken der ICE-Verkehr eingestellt wird. Wegen der Überlastung bestimmter Strecken bleiben jetzt regelmäßig Fahrgäste am Bahnsteig stehen. Lust aufs Zugfahren macht das nicht.

Problematisch ist aber vor allem, dass das Ticket eine zusätzliche Nachfrage nach sich zieht, überwiegend im Freizeitverkehr und auf Linien, die schon vorher gut ausgelastet waren. Klimabewusste Verkehrsplaner fordern seit Jahren Konzepte zur Verkehrsvermeidung. Die Flatrate hat den entgegengesetzten Effekt – und schadet dem Klima damit sogar. Die behauptete soziale Wirkung ist ebenfalls gering: Das Deutschlandticket kostet kaum weniger als eine kommunale Zeitkarte. Viele Nutzer haben daher nur einen geringen Vorteil, zudem gibt es in vielen Städten Sozialtickets. Am meisten profitieren Pendler aus den Speckgürteln der Ballungszentren. Sie sparen durch das Deutschlandticket monatlich dreistellige Beträge.

Eine Abschaffung des Deutschlandtickets ist trotz der Nachteile unwahrscheinlich. Die Preiserhöhung zum Januar 2026 ändert an der aktuellen Situation nichts. Angesichts der Tatsache, dass sich das Ticket vor allem für Menschen rechnet, die ohnehin schon viel mit der Bahn fahren, kann sie den Subventionsbedarf allenfalls reduzieren. Ein Ausstieg, verbunden mit der Einführung eines bundesweit einheitlichen und technologisch zeitgemäßen Ticketsystems, wäre der bessere Weg.

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Christian Böttger ist Professor für Industrial Marketing, Verkehrswesen und Eisenbahn an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Technik.
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Ist das Deutschlandticket noch sinnvoll?

Zum Jahresbeginn 2026 ist das Einheitsticket erneut teurer geworden. Wird es dem Versprechen, klimafreundliche Mobilität für alle zu ermöglichen, überhaupt gerecht?
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Helga Gruber 23.12.2025, 07:36 Uhr:
Das Ticket vereinfacht die Nutzung des ÖPNV, gerade beim Nahverkehr.
Ich suche mir die Verbindung und kann losfahren ohne komplizierte Tarifsuche und -rechnerei, besonders auch bei überlappenden Verkehrsverbünden. Es ist so praktisch. Man kann überall den ÖPNV nutzen. Kein Auto macht es so leicht. Ich denke nur an die problematische Parkplatzsuche in den Städten und den oft überlasteten Überlandstraßen, auch der Umgehungsstraßen und Autobahnen.
Ziel für uns alle muss es doch sein, den ÖPNV einfach nutzen zu können.
Ein umfassendes, einfach zu erwerbendes Ticket und zu nutzendes Ticket ist der richtige Weg. Der ÖPNV ist besser als sein Ruf!!!

Georg Lechner 19.12.2025, 14:55 Uhr:
Der frühere EP-Vizepräsident Karas hat anlässlich des (aufgrund des dämlichen EU- Primärrechts* folgerichtigen) Urteils pro Apple anno 2020 geschätzt, dass durch die nationalstaatlichen Kurzsichtigkeiten bei den direkten Steuern gerade die großen Konzerne wie Apple oder Amazon sich insgesamt 825 Milliarden Euro alljährlich auf Kosten der öffentlichen Hand in den EU-Staaten ersparen.
* das wurde von den nationalstaatlichen Regierungsvertretern ausverhandelt, die damit die Sonntagsreden vom Vorteil der EU als Wirtschaftsmacht Lügen straften.

Georg Lechner 19.12.2025, 14:44 Uhr:
Gerade die Nutzung durch die Pendler aus den Speckgürteln bewahrt die Städte vor einem Verkehrsinfarkt. Man darf gerne von der belgischen Stadt Hasselt lernen, die Städte zu verkehrsberuhigten Zonen machen und den öffentlichen Nahverkehr durch gute Angebote in Preis und Taktdichte attraktiv gestalten. Nach anfänglicher Skepsis erfreut sich die Lösung in Hasselt breiter Zustimmung.
Zum Thema des Geldes für die dafür nötigen Investitionen: Warum jammern die Finanzminister über Budgetnöte, aber setzen die Anregungen zur Lukrierung von Milliardenbeträgen nicht um? Bermayer/ Obermaier haben in "Panama Papers" bereits 2016 dargelegt, dass mit einer EU-weiten, sanktionsbewehrten Durchsetzung von Transparenzregeln für Vermögen sowie Besitzverhältnisse von Firmen und Stiftungen EU-weit jährlich etwa eine Billion Euro zu holen wäre.

Fortsetzung folgt

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