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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2020
Der fragile Mensch
Ein Mängelwesen strebt nach gottgleicher Macht und zerstört sich selbst 
Der Inhalt:
Pro und Contra

Schule im Regelbetrieb starten?

vom 28.07.2020
Wie geht es weiter im neuen Schuljahr? Ist es zu gefährlich, wenn die Schüler nach den Sommerferien ohne Abstandsgebot und in voller Klassenzahl lernen werden? Oder muss trotz Corona wieder Normalität einkehren, um Schulstoff aufzuholen und alle mitzunehmen?
Wie geht’s nach den Ferien weiter? (Foto: PA/Weber/ Eibner-Pressefoto)
Wie geht’s nach den Ferien weiter? (Foto: PA/Weber/ Eibner-Pressefoto)

Ja, es braucht den Sozialraum Schule!

Auch wenn unsere Schulen, unsere Lehrkräfte, unsere Schülerinnen und Schüler und ihre Familien den Fernunterricht während der Schulschließungen mehrheitlich wirklich gut gemeistert haben, so sind wir uns doch auch alle grundsätzlich einig: Unsere Schülerinnen und Schüler haben ein Recht auf Bildung und dieses lässt sich am besten in der Schule verwirklichen.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 14/2020 vom 31.07.2020, Seite 8
Der fragile Mensch
Der fragile Mensch
Ein Mängelwesen strebt nach gottgleicher Macht und zerstört sich selbst 

Kinder und Jugendliche brauchen den Sozialraum Schule. Sie brauchen ihre Freunde, den unmittelbaren Austausch mit ihren Lehrkräften, das Miteinander. Es ist deshalb unsere Aufgabe als Bildungsministerinnen und Bildungsminister der Länder, unseren Schülerinnen und Schülern die Wahrung ihres Rechts auf Bildung auch zu ermöglichen.

Gleichzeitig haben wir natürlich den Gesundheitsschutz immer im Blick, und so bereiten sich alle Länder in Abstimmung mit Gesundheitsexperten auch auf zwei weitere Szenarien vor – je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens. Dazu gehören der Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht oder aber auch wieder lokale oder regionale Schulschließungen. Und wir statten die Schülerinnen und Schüler, die es benötigen, digital aus. Die Frage der digitalen Ausstattung darf nicht zu einer Frage von Bildungsgerechtigkeit werden.

Jetzt geht es aber in erster Linie darum, den Regelbetrieb gut vorzubereiten. Das Schuljahr 2020/2021 wird allerdings noch immer anders sein, als Schüler, Eltern und Lehrer das gewohnt sind. Es wird weiterhin Hygieneregeln geben, es wird Einschränkungen geben, und es gilt die Maxime »Ich schütze dich und du schützt mich«. Das alles machen wir, damit das System Schule funktionieren kann. Damit Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrkräften in den Schulen lernen können.

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Nein, das ist viel zu riskant!

Die Kultusministerkonferenz hat für den Schulunterricht nach den Sommerferien ein Konzept vorgelegt, das von der Unterrichtung vollständiger Klassen ohne Einhaltung des Mindestabstands ausgeht. Lüften und Händewaschen allein sind jedoch keine tragfähige Grundlage zur gefahrlosen Öffnung der Schulen.

So gibt es in der Praxis zumindest in den weiterführenden Schulen keine konstanten Lerngruppen ohne Außenkontakte, sei es im Wahlpflichtunterricht, im Religions- und Ethikunterricht, in der Oberstufe und in den Ganztagsangeboten bei schulischen Veranstaltungen, in den Pausen oder auf dem Schulweg. Und wie sollen die Fächer Musik und Sport unterrichtet werden? Die aufgeführten Hygienemaßnahmen kollidieren in der Realität oft mit unzureichenden Lüftungsmöglichkeiten und dem beklagenswerten Zustand der Toilettenanlagen.

Die Kultusminister müssen deshalb rasch einen realistischen Plan B vorlegen, der einen geregelten Schulbetrieb unter Berücksichtigung der gesundheitlichen Risiken für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte ermöglicht.

Statt auf volle Klassen zu setzen, müssen deshalb möglichst rasch die Bedingungen für eine optimale Kombination von Präsenzlernen und strukturiertem angeleitetem Lernen auf Distanz geschaffen werden. Klassen sollten zudem in feste Lerngruppen mit versetztem Unterricht aufgeteilt werden. Die schon seit Langem bestehenden Defizite bei der Schulsanierung, der ausreichenden Versorgung mit Lehrkräften und der Digitalausstattung der Schulen sowie der Schülerinnen, Schüler und der Lehrkräfte müssen sofort angegangen werden. So kann ein strukturierter Unterricht für alle Schülerinnen und Schüler auch ohne Rückkehr zum Präsenzunterricht im vollständigen Klassenverband ermöglicht werden.

Die Umfrage ist vorbei: so haben unsere Leser abgestimmt!

Schule im Regelbetrieb starten?

Wie geht es weiter im neuen Schuljahr? Ist es zu gefährlich, wenn die Schüler nach den Sommerferien ohne Abstandsgebot und in voller Klassenzahl lernen werden? Oder muss trotz Corona wieder Normalität einkehren, um Schulstoff aufzuholen und alle mitzunehmen?
53 x Ja, es braucht den Sozialraum Schule!
47 x Nein, das ist viel zu riskant!
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J. Kaliske
09.08.202013:57
Natürlich brauchen die Kids unbedingt den Sozial- und Lernraum Schule! Sich ohne Abstand einfach wieder ins Klassenzimmer zu setzen, ist aber ein wahrscheinlicher Weg, schnell wieder vollständig beim homeschooling zu landen. Warum nicht versetzten Unterricht für Teile der Klasse präsent und andere daheim? Da könnten die Kids realistisch Abstand halten - natürlich heißt das aber auch, daß weiterhin mit neuen Lern- uns Arbeitsformen experimentiert werden müsste, z.B. Kooperation der Lehrkräfte am Gymnasium zur gemeinsamen Unterrichtsvorbereitung anzuraten, einer für daheim, die andere für den Präsenzbetrieb. Das ist schwierig wie jede Veränderung, aber so zu tun, als sei alles normal, wird das Virus nicht wegzaubern.
Cally
05.08.202015:46
Ich finde es schon wichtig, dass Präsenzunterricht in der Schule stattfindet. Ich finde aber, dass die Abstandsregel die wichtigste Regel ist, Corona und Covid19 zu bekämpfen.
Daher finde ich Schule ohne Abstandsregeln zu riskant.