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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Personen und Konflikte

vom 10.07.2015

Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik in Erlangen, wünscht sich eine breitere Debatte über die Risiken der Digitalisierung. Nach der Euphorie über die grenzenlosen Möglichkeiten des Internets erkenne man immer deutlicher die Gefahr eines neuen Totalitarismus. Darauf aufmerksam zu machen sei auch eine kirchliche Aufgabe. Was Datenschützer als »informationelle Selbstbestimmung« einfordern, bezeichne die Theologie als »das Menschenrecht auf ein Geheimnis«. Dieses gelte es vor den Zugriffen durch Großkonzerne, Geheimdienste und soziale Netzwerke zu schützen. Sehr kritisch sieht die Publizistin und Theologin die Tendenz, das Internet für Hetzkampagnen und Verurteilungen zu nutzen. Gerade weil das Netz nichts vergesse, dürfe es nicht sein, dass dort keine Vergebung mehr stattfinde. Dass Schuldig-Gewordene nicht für alle Ewigkeit am Pranger landen, sei auch ein kirchliches Anliegen. In Nürnberg stellte Haberer mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, und dem Medienethiker Alexander Filipovic ein Impulspapier vor, das zur Zivilisierung der digitalen Welten beitragen soll.

Albert Biesinger, katholischer Religionspädagoge in Tübingen und Sprecher der Stiftung Gottesbeziehung in Familien, hat Kindergärten und Kitas zu mehr interreligiöser Bildung aufgerufen. Immer häufiger komme es zu Konflikten, weil Kinder von zu Hause durch religiöse Vorurteile und Verurteilungen anderer Religionen geprägt seien. »Eltern berichten mir, dass zum Beispiel muslimische Kinder ihre christlichen Kindergartenfreunde als vom Teufel besessen ablehnen. Das führt zu massiven Verstörungen«, sagte Biesinger. Viele Erzieherinnen seien auf diese neu entstandenen Fragen und Konflikte nicht vorbereitet.

Tom Jarman, britischer Entwicklungsblogger, hat den Hilfswerken vorgeworfen, bei der Annahme von Spenden zu unkritisch zu sein. Nichtstaatliche Organisationen kooperierten mit Großkonzernen, selbst wenn diese an Ausbeutung und Umweltzerstörung beteiligt seien, schrieb Jarman. Ziel sei dabei, möglichst viele Spenden zu sammeln. Dies untergrabe die Glaubwürdigkeit der Organisationen.

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