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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

»Es geht um Menschen!«

von Annette Lübbers vom 10.07.2015
Warum sich die 24-jährige Studentin Jana Grieb für Flüchtlinge einsetzt und in Dresden eine Veranstaltung gegen Fremdenfeindlichkeit organisiert

In dieser Welt gehöre ich zu den Privilegierten: Ich habe ein tolles Elternhaus, ein gutes soziales Netz, und mir fehlt es an nichts. Schon in meiner Schulzeit habe ich mich im kirchlichen Bereich und die letzten Jahre in der politischen Flüchtlingszusammenarbeit engagiert. Denn dass Menschen hungern, in ständigem Krieg leben und fliehen müssen, hat ganz konkret mit der Art und Weise zu tun, wie wir hier in Deutschland leben. Da kann man sich nicht herausziehen, wegsehen, gleichgültig sein.

Deutschland präsentiert sich gerne als großzügiger Wohltäter. Dabei wird in unserem eigenen Land das Grundrecht auf Asyl jeden Tag verletzt. Statt die Menschen, die vor Diskriminierung flüchten, aufzunehmen, werden sie in Schnellverfahren abgefertigt und abgeschoben. Oder sie müssen ihr Leben jahrelang in menschenunwürdigen Unterbringungen fristen. In Marburg, wo ich bis vor Kurzem studiert habe, haben wir uns daher als eine Gruppe von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung gegen diese inhumane Politik eingesetzt. Wir haben uns einmal die Woche getroffen, Demos, Ausstellungen und Veranstaltungen organisiert, Geflüchtete zu Behördenterminen begleitet und die Menschen in den »Gemeinschaftsunterbringungen« unserer Umgebung besucht.

Dort habe ich Frauen, Männer und Kinder getroffen, die alles verloren hatten: ihr Zuhause, ihre Existenz, ihre sozialen Kontakte – einfach alles. Menschen, die von Diskriminierung und offenem Rassismus berichteten. Menschen, die psychisch am Ende ihrer Belastbarkeit waren. Besonders schlimm war es in einem ehemaligen Dorfgasthof in der Nähe von Marburg: Dort musste eine äthiopische Familie mit ihrem sieben Monate alten Baby in einem Raum mit einer komplett verschimmelten Decke wohnen. Die total vergammelte Küche teilten sie sich mit anderen Familien. Es gab nicht einmal ordentliches Kochgeschirr. Meine Freundin, die Amharisch spricht und für die Familie übersetzt hat, hat kurzerhand bei den zuständigen Behörden angerufen und ordentlich Druck gemacht. Plötzlich ging es: Innerhalb einer Woche wurden die Mängel beseitigt. Erlebnisse wie diese gehen mir unter die Haut, und dann spüre ich, wie akademisch die Diskussionen mit meinen Kommilitonen und Kommilitoninnen oft sind. Es geht nicht um Positionspapiere, es geht um Menschen.

Mit großer Sorge sehe ich die Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Auch wenn nicht mehr so viele an Pe

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