Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Das politische Porträt: Google und der gelbe Elefant

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 10.07.2015
Margrethe Vestager ist eine der mächtigsten Frauen Europas. Als EU-Wettbewerbskommissarin fordert sie Google und Gazprom heraus

Margrethe Vestager strickt. Diesmal wird es ein gelber Elefant. Das Stricken beruhigt sie. Manchmal holt die resolute Politikerin ihre Stricknadeln auch während der Sitzungen der EU-Beamten hervor. Seit November vergangenen Jahres ist sie Kommissarin für Wettbewerb in der EU-Kommission. Es ist einer der bedeutendsten Posten in Brüssel. Die 47-Jährige ist Ermittlerin, Staatsanwältin und Richterin in einem, zuständig für Monopole, Fusionen, Kartelle und staatliche Beihilfen. Sie gilt als schnörkellos, umsichtig und bodenständig.

Die Mutter von drei Kindern hat in Dänemark bereits eine steile Karriere hingelegt. Mit 21 Jahren begann sie ihre politische Laufbahn und wurde von der sozialliberalen Partei ins Komitee für europäische Angelegenheiten berufen. Mit 29 wurde sie Ministerin für Bildung und Kirchenangelegenheiten, später Abgeordnete und Parteivorsitzende. Unter Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt führte sie das Wirtschafts- und Innenministerium.

Als die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin im Herbst vergangenen Jahres nach Brüssel berufen wurde, war sie ganz oben: Parteichefin, Wirtschaftsministerin, Vize-Regierungschefin. Dennoch wirkt sie geerdet, bemüht darum, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. »Die Macht ist eine Institution, sie gehört dir nicht. Man darf sie nicht behalten«, sagte sie vor wenigen Wochen der Zeitung Die Welt.

Jeden Morgen vor der Arbeit joggt sie. In ihrem Büro im zehnten Stock des Kommissionsgebäudes in Brüssel hat die Dänin Fotos von ihrer Familie aufgestellt. Auch der Familienhund ist darauf zu sehen, ein Golden Retriever. Auf dem Tisch steht ein Stinkefinger aus Gips. Den bekam sie von einer Gruppe wütender Langzeitarbeitsloser geschenkt, nachdem sie in Dänemark die Sozialleistungen gekürzt hatte. Von manchen wird Vestager als kalt und unsentimental angesehen, wohl auch deswegen.

In ihrer Heimat wird sie oft als »Eiserne Lady« beschrieben. Doch in ihrem 18-köpfigen Team in Brüssel sind die Hierarchien flach, die Atmosphäre ist freundschaftlich-kollegial. »Sie hat von Anfang an gefordert, dass sie alle Margrethe nennen und nicht Kommissarin«, erzählt ihre Assistentin.

Margrethe Vestager wuchs als Tochter eines evangelisch-lutherischen Pfarrerehepaars im ländlichen Westjütland auf. Auch heute noch geht sie sonntags oft in

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen