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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Für ein aufgeklärtes Miteinander der Religionen

von Thomas Seiterich vom 10.07.2015
Christlicher Glaube und religiöse Vielfalt: Ein neuer Grundlagentext der Evangelischen Kirche in Deutschland

In dem neuen Grundlagentext der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur religiösen Vielfalt präsentiert sich eine aufgeklärte Bürgerkirche in der Zivilgesellschaft. Der Pluralismus der Gesellschaft werde von der Kirche begrüßt, sagt der Vorsitzende der Kammer für Theologie der EKD, die den Text erstellte, der Berliner Theologieprofessor Christoph Markschies. Der 78-seitige Text (www.ekd.de) trägt den Titel »Christlicher Glaube und religiöse Vielfalt« und erläutert die evangelische Sicht auf die Kultur der verschiedenen Glaubensüberzeugungen.

Ein neutraler Standpunkt oder gar die Perspektive einer »Überreligion« seien nicht möglich, so Markschies. Deshalb könne man nicht sagen, dass sich die drei monotheistischen Religionen an denselben Gott richteten. Doch im Blick auf die Juden heißt es: »Was als Unfähigkeit zur religiösen Toleranz innerhalb der christlichen und reformatorischen Theologie begann, mündete in die Exklusion des anderen in Pogromen, Boykotten, Entrecht lichungen und schließlich der Schoah. Diese Geschichte zu erinnern und sie mit Sorgfalt zu rekonstruieren« bleibe der Kirche »in besonderer Weise aufgegeben«.

Gelobt wird die Verfassungswirklichkeit in Deutschland. Denn ein weltanschaulich neutraler, aber religionsfreundlicher Staat wünsche das öffentliche Wirken der Religionen und ermögliche einen »guten Weg« für das Miteinander der Religionen. Der EKD-Text richtet sich an die Gemeindekirchenräte und Pfarrer. Laut Markschies habe er »hohe lebensorientierende Kraft«.

Der fremde Glaube der anderen solle nicht als Angstmacher, sondern als Chance verstanden werden. Offenheit sei kein Bekenntnis zur Beliebigkeit, sondern stärke die evangelische Identität. Bischof Heinrich Bedford-Strohm, der EKD-Ratsvorsitzende, erklärt, der christliche Glaube respektiere die Fremdheit des anderen und sei sich zugleich seiner Besonderheit bewusst. »Er kann auf das Bekenntnis zu Christus nicht verzichten, aber es wäre falsch, daraus eine prinzipielle Abwertung der anderen Religionen abzuleiten.«

Der Grundlagentext streift den Alltag. In der Seelsorge in Familien, bei der Zulassung von Paten oder der Beerdigung einer längst aus der Kirche ausgetretenen Person gelte: »Selbst da, wo kirchliches Recht klare Regelungen vorgibt«, habe man »in seelsorglicher Verantwortung Lösungen zu finden, die sich als barmherzig

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