Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Film über den braunen Terror

von Sophie Ludewig vom 10.07.2015
Schüler in Waren forschten zur jüdischen Geschichte und fragen nach heute

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto war der Anfang. Darauf sind zwanzig Kinder in schicken Kleidern und Anzügen zu sehen, die an einem warmen Sommertag im Jahr 1930 den achten Geburtstag des jüdischen Mädchens Gerda Löwenberg in Waren an der Müritz feiern. Was ist mit ihnen passiert, nachdem der braune Terror in der mecklenburgischen Kleinstadt Einzug gehalten hatte? Diese Frage stellten sich Schüler des Warener Gymnasiums. Auf ihrer Spurensuche in Archiven und an Orten jüdischen Lebens waren sie nicht allein. Die Tochter des damaligen Geburtstagskindes, Susan Rhyne, begleitete sie. Die 66-jährige US-Amerikanerin erfuhr erst vor sieben Jahren, dass sie jüdische Wurzeln hat. Bis kurz vor dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2013 glaubte sie, dass Gerda aus einer evangelisch-lutherischen Familie stammte und durch den Gewinn eines Essay-Wettbewerbs in die USA gekommen war. Erst die Forschung einer Cousine ergab, dass Gerdas Eltern Max und Margarete, die am Markt zwei Geschäfte geführt hatten, sowie ihr Bruder und ihre Schwester am 8. November 1941 von Hamburg aus ins Getto von Minsk deportiert wurden. Dort verliert sich ihre Spur. Gerda überlebte, weil sie kurz nach der Reichspogromnacht zu ihrer Tante nach New York geschickt worden war. Nach dem Krieg beschloss Gerda Löwenberg, ihr früheres Leben hinter sich zu lassen. Sie kam mit ihrem Ehemann überein, ihrer Tochter Susan nichts darüber zu sagen. »Als meine Mutter mir die Wahrheit erzählte, war ich enttäuscht«, sagt Susan. »Ich habe mich gefragt, was sie davon abgehalten hat, mir das alles zu erzählen.«

Dieser Frage gingen nun auch die Elftklässler in Waren nach. »Gerdas Geschichte gibt den Schülern die Gelegenheit, den Generationenkonflikt zwischen den Holocaust-Überlebenden und ihren Nachkommen nachzuvollziehen«, erklärt Religionslehrerin Dorothea Rother, die das Projekt leitet. Die Schüler haben nun den 25-minütigen Dokumentarfilm »Gerdas Geheimnis« gedreht und eine Wanderausstellung konzipiert. Während der Arbeit daran diskutierten sie auch über die Frage, welche Verantwortung die Deutschen tragen.

»Wir alle müssen dafür sorgen, dass Deutschland ein freies und demokratisches Land bleibt und in der Welt auch so wahrgenommen wird«, sagt der 18-jährige Sascha Christofzik. Seine Mitschülerin Nele Raasch ist davon überzeugt, dass jeder bei sich selbst beginnen muss: »Diskriminierung anderer ist auch in unserem Alltag präsent. Es ist wichtig, dass w

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen