Film über den braunen Terror
Ein altes Schwarz-Weiß-Foto war der Anfang. Darauf sind zwanzig Kinder in schicken Kleidern und Anzügen zu sehen, die an einem warmen Sommertag im Jahr 1930 den achten Geburtstag des jüdischen Mädchens Gerda Löwenberg in Waren an der Müritz feiern. Was ist mit ihnen passiert, nachdem der braune Terror in der mecklenburgischen Kleinstadt Einzug gehalten hatte? Diese Frage stellten sich Schüler des Warener Gymnasiums. Auf ihrer Spurensuche in Archiven und an Orten jüdischen Lebens waren sie nicht allein. Die Tochter des damaligen Geburtstagskindes, Susan Rhyne, begleitete sie. Die 66-jährige US-Amerikanerin erfuhr erst vor sieben Jahren, dass sie jüdische Wurzeln hat. Bis kurz vor dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2013 glaubte sie, dass Gerda aus einer evangelisch-lutherischen Familie stammte und durch den Gewinn eines Essay-Wettbewerbs in die USA gekommen war. Erst die Forschung einer Cousine ergab, dass Gerdas Eltern Max und Margarete, die am Markt zwei Geschäfte geführt hatten, sowie ihr Bruder und ihre Schwester am 8. November 1941 von Hamburg aus ins Getto von Minsk deportiert wurden. Dort verliert sich ihre Spur. Gerda überlebte, weil sie kurz nach der Reichspogromnacht zu ihrer Tante nach New York geschickt worden war. Nach dem Krieg beschloss Gerda Löwenberg, ihr früheres Leben hinter sich zu lassen. Sie kam mit ihrem Ehemann überein, ihrer Tochter Susan nichts darüber zu sagen. »Als meine Mutter mir die Wahrheit erzählte, war ich enttäuscht«, sagt Susan. »Ich habe mich gefragt, was sie davon abgehalten hat, mir das alles zu erzählen.«
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