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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Autisten willkommen!

von Annette Jensen vom 10.07.2015
Arbeit für Menschen mit Behinderung und Computer aus zweiter Hand: Die Firma AfB ermöglicht soziale Teilhabe – und treibt den Umweltschutz voran

Das Geschäft sieht aus wie ein Discountladen für Computer: Dutzende Bildschirme stehen im Regal, daneben stapeln sich Laptops, für jeweils 180 bis 300 Euro zu haben. Hochwertige Ware; die Geräte stammen überwiegend aus großen Unternehmen. »Wir bieten professionelle IT«, versichert Klaus Bölling, der die Berliner Niederlassung der Computerfirma AfB vor ein paar Monaten aufgebaut hat. Die Abkürzung steht für Arbeit für Menschen mit Behinderungen GmbH.

»Die Hardware, die wir verkaufen, haben wir auf Herz und Nieren getestet, alle Daten, die sich jemals darauf befunden haben, sind hundertprozentig gelöscht«, versichert Bölling. Ein Jahr Garantie gibt sein Unternehmen, doch Bölling ist sicher, dass die Computer aus zweiter Hand mindestens drei Jahre halten.

Karriere mit Behindertenausweis

Hinten im Lager arbeitet Ben Borutta. Er prüft, ob Monitore und Drucker funktionieren; mit so etwas kann er bestens umgehen, in seiner Freizeit sitzt er oft stundenlang am Computer. »Ich bin irgendwie dazwischen, nicht autistisch und nicht geistig behindert – zu fit für eine Behindertenwerkstatt und nicht fit genug für den Arbeitsmarkt«, beschreibt sich der 26-Jährige. Was er nicht ertragen kann, ist Druck – dann eckt er an. Aber hier komme er gut klar mit den Leuten und arbeite auch gern mal länger, weil es zu Hause so langweilig sei. Mehr als 200 Menschen verdienen ihr Geld bei AfB, die Hälfte von ihnen hat einen Behindertenausweis.

Geschäftsführer Paul Cvilak ist gekleidet wie ein Geschäftsmann. Der Unternehmer betrieb zunächst mehrere Computer-Leasing-Firmen in Süddeutschland. Als ihn eines Tages ein Kunde fragte, ob er auch die sichere Löschung seiner Daten übernehmen könne, war er überzeugt, dass das in Deutschland nicht profitabel sei; schließlich dauert so etwas pro Computer manchmal mehrere Stunden. Doch dann fragte er in einer benachbarten Behindertenwerkstatt der Caritas nach, weil er wusste, dass diese händeringend nach Aufträgen suchte.

Die Beschäftigten waren begeistert, mit Computern arbeiten zu dürfen, und fühlten sich durch die monotone Arbeit nicht überfordert. Auch der Auftraggeber war zufrieden, und so entschloss sich Paul Cvilak, an seinem Wohnort Ettlingen eine eigene kleine Firma mit vier Angestellten zu gründen. Er beantragte dafür die Gemeinnütz

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