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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Werter Herr Häuptling!

vom 10.07.2015
Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!):

Ihr Handschreiben an unseren Förderclub liegt mir zur Beantwortung vor. In der Tat sammeln wir noch ein paar Millionen Euro für eines der wichtigsten Bauvorhaben unserer Epoche: für die Hof- und Garnisonkirche Potsdam. Die große Tradition des Ortes verlangt, dass wir beim Sammeln des Geldes gekrönten Häuptern in aller Welt die Möglichkeit geben, sich an der Wiedergewinnung dieses Gebäudes zu beteiligen. Ihre königliche Hoheit, Queen Elizabeth II., hat bei ihrem Deutschandbesuch ein segensreiches Beispiel gegeben und einen wunderbaren Backstein mit ihren Insignien gezeichnet. Stein auf Stein werden wir das Wunderwerk preußischer Kultur zu neuer Blüte führen. Zur Unterbringung der Spenderurkunden haben wir vorsorglich ein Loch in der goldenen Kanonenkugel der inzwischen wiedergewonnenen Wetterfahne belassen.

Exzellenz, leider konnten Sie sich noch nicht zu einer Spende entschließen. Im Wissen um unsere »One-World-Verantwortung« fühlen wir uns verpflichtet, Sie nochmals herzlich in unseren Spenderkreis einzuladen. Sie verweisen auf Unbilden, die Ihre Stammesangehörigen vor Jahrzehnten (!) durch unsere Kolonialverbände erlitten hätten. Wir bedauern, dass es dafür noch keinen angemessenen Ort des Gedenkens gibt. Ihre Spende könnte diesem Missstand abhelfen. Auch unser Volk hat unendliches Leid erfahren: erst Hitler, dann die Bomben, dann das Ulbricht-Regime, die alles zerstörten. Auch wir sind Opfer! Wir werden entschieden für eine Versöhnung auch mit Ihnen und Ihrem Volk eintreten. Vertreter führender deutscher Familien stellen sich gemeinsam der für sie so schmerzhaften Geschichte und gestalten mit der Wiedergewinnung der alten Hof- und Garnisonkirche Versöhnung.

Jedes Volk braucht Eliten! Die versammeln sich nun – gottlob – wieder in Potsdam. Angesichts um sich greifender materieller Gier, Gleichmacherei und kommunistischer Entkirchlichung würde Ihre Spende den volkserhaltenden Impuls des Kirchenbaus verstärken. Noch wartet, werter Häuptling Humbug III., ein Spenderbackstein auf Sie.

Es grüßt freundlich!

Ihre K. Ärmlich, Staatssekretärin a. D.,

Geschäftsführerin der Ruß AG

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