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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Zerbricht Europa?

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 10.07.2015
Griechenlandkrise? Ungelöst. Flüchtlinge? Keine Einigung. In Europa liegt vieles im Argen – aber das ist kein Grund, um Untergangsstimmung zu verbreiten

Es ist im Trend, Europas Untergang zu beschwören. Die Krise springt uns von allen Zeitungsseiten entgegen, und wer sich dieser Tage dennoch als Europa-Enthusiast outet, erntet mitleidig-spöttische Blicke, die sagen: du naiver, weltfremder Idealist. Selbst die Bundeskanzlerin prophezeit: »Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.« Die Menschen in den neun Staaten, die nicht der Eurozone angehören, aber Mitglied der EU sind, müssen sich dabei ziemlich auf den Schlips getreten fühlen. Sind sie etwa nicht Europa? Der Euro ist zweifelsohne ein wichtiges Projekt – aber Europa ist mehr als der Euro.

Europa ist auch eine politische und kulturelle Gemeinschaft. Das mag vielen als gewagte These erscheinen, steht doch die wirtschaftliche Dimension in der Berichterstattung stets im Vordergrund. Aber es gibt Entwicklungen, die sich still und leise vollziehen, ohne groß Aufsehen zu erregen. Nehmen wir die Medien als Beispiel:

Tageszeitungen aus sechs verschiedenen Ländern der EU bringen gemeinsam eine Europa-Beilage redaktionell auf den Weg, sodass die Bürger dieser Länder in ihrer jeweiligen Sprache die gleichen Artikel lesen. Die Wochenzeitung Die Zeit bringt auf der ersten Seite einen Artikel zur Krise in Deutsch und daneben in griechischer Sprache. Über Facebook diskutieren Spanier und Briten, Deutsche und Griechen, Dänen und Slowaken miteinander über die aktuelle Situation. Das ZDF räumt in den abendlichen Nachrichten nicht nur Deutschen prominente Interviewplätze ein, sondern auch die Position des italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi flimmert minutenlang über die Fernsehbildschirme.

All dies sind Zeichen dafür, dass gerade etwas entsteht, das jahrelang von Intellektuellen gefordert wurde: eine europäische Öffentlichkeit. Gemacht von Bürgern, nicht von politischen Eliten. Ist es nicht längst da, das Europa der Bürger, dessen Fehlen so gerne beklagt wird?

Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein. Die EU macht viel falsch. Ob Flüchtlingspolitik, Freihandelsabkommen oder Waffenlieferungen – oft ist es zum Haareraufen, manchmal auch zum Schämen. Die derzeitige Krise rüttelt an den Fundamenten der Union, sie bringt Solidarität und Kompromissfähigkeit ins Wanken. Denn beim Euro geht es auch um Zusammenhalt. Wenn die Währungsgemeinschaft auseinanderbricht, b

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