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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Buch des Monats: Zu sich selbst finden

von Norbert Copray vom 10.07.2015
Wie man das eigene Leben selbst bestimmen kann – und warum

Joachim Bauer
Selbststeuerung
Die Wiederentdeckung des freien Willens.
Blessing. 238 Seiten. 19,99 €

Wer mit dem Buchtitel »Selbststeuerung« die Schwarze Pädagogik assoziiert, die bis in die 1960er-Jahre des 20. Jahrhunderts hinein im Erziehungsbereich maßgebend war, und deswegen nicht zu diesem Buch greifen will, der bringt sich um einen Schatz neurobiologischen, pädagogischen, psychologischen und philosophischen Wissens. Denn der Arzt, Neurobiologe und Psychotherapeut Joachim Bauer, der an der Universität Freiburg als Professor lehrt und bereits herausragende Bücher veröffentlicht hat (zum Beispiel »Warum ich fühle, was du fühlst«, Buch des Monats in Publik-Forum 15/2005), setzt sich deutlich von Schwarzer Pädagogik ab. Er zeigt vielmehr, wie die Entwicklung eines freien Willens und der Selbststeuerung von der Zuwendung wohlwollender Bezugspersonen abhängt. Sie ermöglichen es, dass ein Selbst überhaupt entstehen und wachsen kann. »Ohne Selbst kann es keine Selbstkontrolle und damit auch keine Selbststeuerung geben.«

Entsprechend läuft vieles falsch in der Erziehung, in Familien, Betreuungseinrichtungen und Schulen. Selbststeuerung ist für Bauer »ganzheitliche Selbstfürsorge und besteht in der Kunst, Impulse und deren Kontrolle miteinander zu verbinden« – also nicht gegeneinander auszuspielen! Zum besseren Verständnis erläutert der Autor die Gehirnentwicklung in ihren unterschiedlichen Phasen und was sie bedeuten, um einen freien Willen gerade durch den Erwerb einer einsichtigen Selbststeuerung zu gewinnen.

Bauer räumt mit guten Argumenten auch die unsägliche Behauptung von Gehirnforschern ab, dass es keinen freien Willen gäbe. Er muss sich erst bilden und bilden können, und dazu bedürfe es zahlreicher guter Bedingungen, um Selbststeuerung zu lernen. Ohne verlässliche Erwachsene gehe es nicht, die wiederum selbst in den Verführungen einer süchtigen, auslaugenden und manipulierenden Konsum- und Medienwelt ihre Fähigkeit zur Selbstkontrolle entwickeln, ausbauen und bewahren müssen.

Im Blick auf den Umgang mit Krankheit und Gesundheit in einem teils problematischen medizinischen Feld liefert Bauer ein gut begründetes Plädoyer für eine Beteiligung von Patienten an ihrem Heilungsprozess und für die Aktivierung des »inneren Arztes« seitens der Ärzte selbst. Er gibt

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