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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Auf Gandhis Spuren

von Markus Dobstadt vom 10.07.2015
Der Priester John Dear tritt für Gewaltlosigkeit ein und riskiert viel

John Dear wirkt freundlich, jugendhaft und hellwach. Man kann kaum glauben, dass dieser Mann im kurzärmligen karierten Hemd der katholische Priester ist, der sich immer wieder mit dem amerikanischen Staat anlegt und in den USA 75-mal bei Demonstrationen gegen Krieg und Atomwaffen festgenommen wurde. Jetzt sitzt der 55-Jährige in einem Pfarrhaus im Frankfurter Westen, er hält auf Einladung von Pax Christi in Deutschland Vorträge.

Er lacht oft, und seine Stimme überschlägt sich, wenn er sich über die Mächtigen in der Politik wundert, die mit den Mitteln der Gewalt scheitern, während sie ihn wegen seines Einsatzes für die Gewaltlosigkeit für naiv oder verrückt halten. »Nonviolence«, das ist sein am häufigsten gebrauchtes Wort. Er erzählt gern und spannend von seinen vielen Abenteuern. Doch so locker er wirkt: sein Anliegen ist ihm ernst. Immer wieder tritt er den Mächtigen in den Weg und blockiert friedlich das Pentagon, Militäreinrichtungen oder das Weiße Haus. Das Wahlrecht wurde ihm in den USA entzogen. Vor einigen Monaten erst wurde er festgenommen, weil er mit vier anderen Aktivisten den Zugang zu Barack Obamas Amtssitz versperrt hatte. Auf dem Transparent, das Dear hochhielt, stand auf Englisch: »Militär ist keine Lösung«. Auch in der Kirche bekommt er Gegenwind. Im letzten Jahr trat er aus dem Jesuitenorden aus, weil der Druck auf ihn, sein Engagement aufzugeben, zu groß wurde. Katholischer Priester ist er weiterhin.

Dear stammt aus einer reichen katholischen Familie. Der Vater besaß dreißig Zeitungen und stand an der Spitze des US-Presseverbandes. Der Sohn interessierte sich für Musik und schrieb sich an der Universität in Duke ein. Er genoss das Partyleben der Studenten und wollte Rockstar werden. Doch dann passierte etwas, das sein Leben von Grund auf veränderte. Die Begegnung mit der Jazzpianistin und Mystikerin Mary Lou Williams gehörte dazu, und während einer schweren Bronchitis beschäftigte er sich mit Martin Luther King, dem großen Kämpfer gegen den Rassismus, der am 4. April 1968 ermordet wurde. Dear war so bewegt, dass er beschloss, Priester zu werden.

King habe in der Nacht vor seinem Tod gesagt: »Die Wahl ist nicht die zwischen Gewalt oder Nichtgewalt. Es ist die Wahl zwischen Gewaltlosigkeit oder überhaupt nicht mehr zu existieren«. Dieser Satz gilt auch für Dear – bis heute. Der katastrophal

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