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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Ein neuer Weg aus der Armut

von Jens-Eberhard Jahn vom 10.07.2015
Als Bischof ließ er ein bedingungsloses Grundeinkommen in einem Dorf in Namibia erproben. Nun ist Zephania Kameeta Sozialminister des Landes geworden. Deshalb wächst die Hoffnung auf ein Grundeinkommen für alle

Glaube bedeute, »unbekannte Wege zu gehen, die an fremde Orte führen«. Das sagte Zephania Kameeta, lutherischer Bischof in Namibia, bereits, lange bevor er 2013 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet wurde. Jetzt wurde der 69-Jährige aus seinem Ruhestand wieder an einen neuen fremden Ort berufen: als Minister für Armutsbekämpfung und soziale Wohlfahrt in die Regierung des südafrikanischen Landes.

Die Bekämpfung der Armut ist das Grundanliegen von Bischof Kameeta. Bereits als er zu Zeiten der Apartheid 1971 als Pfarrer ordiniert wurde, sah er sich als Befreiungstheologe. Von 1972 bis zur Unabhängigkeit des Landes 1990 gehörte er der Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche Namibias an.

Es waren die Jahre des Befreiungskampfes der »Southwest-African Peoples Organisation« (Swapo), der sich gegen die südafrikanische Kolonialherrschaft in Namibia richtete. Das Apartheidregime hatte den Norden des Landes zum Aufmarschgebiet im Krieg gegen linke Rebellen in Angola gemacht und Elemente der Rassentrennung und -diskriminierung auch in »Südwest-Afrika« eingeführt, wie Namibia lange hieß. Aus dieser Erfahrung kämpfte Kameeta mit friedlichen Mitteln gegen Armut und Rassismus. Dies machte ihn so prominent, dass er von 1980 bis 1990 der Kommission des Programms zur Bekämpfung des Rassismus im Ökumenischen Rat der Kirchen angehörte. Immerhin vierzig Prozent der namibischen Bevölkerung sind Lutheraner.

Richtig prominent und zum Gast vieler deutscher Kirchentage wurde Kameeta, nachdem es ihn an einen wirklich fremden Ort gezogen hatte: in das Dorf Otjivero-Omitara im Nordosten des Landes. Dort initiierte er 2008 das weltweit bekannte Modellprojekt für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Mehrere Jahre lang erhielten die rund tausend Bewohnerinnen und Bewohner dieses Dorfes unter sechzig Jahren, Kinder eingeschlossen, monatlich hundert namibische Dollar, umgerechnet zwischen acht und zehn Euro. Die Finanzierung lief über Spenden aus verschiedenen protestantischen Kirchen, auch die Evangelische Kirche in Deutschland beteiligte sich. In Namibia war dieses Modell mehr als umstritten. Doch Kameeta, der als Pastor oft in Armenvierteln lebte, sieht sich von den Ergebnissen bestätigt. In diesem Dorf besucht inzwischen jedes Kind eine Schule. Vor dem Grundeinkommen

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