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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

»Der Westen hat die Freiheit nicht gepachtet«

von Bettina Röder vom 10.07.2015
Menschenrechte gelten für alle. Aber was ist, wenn die Kulturen der Welt sie nicht auf dieselbe Weise verstehen? UN-Sonderberichterstatter Heiner Bielefeldt über blinde Flecken im Konflikt

Publik-Forum: Herr Bielefeldt, Sie waren jüngst in Saudi-Arabien auf einer Menschenrechtskonferenz. Das hat Ihnen Kritik eingebracht. Warum waren Sie dort, in einem Land, das Menschenrechte mit Füßen tritt?

Heiner Bielefeldt: Ich habe eine Einladung bekommen und mich entschieden, sie anzunehmen. Das war eine Teilkonferenz im Rahmen des sogenannten Istanbul-Prozesses. Der ist 2011 von Hillary Clinton mit dem Generalsekretär der Organisation der Islamischen Kooperation (OIC) ins Leben gerufen worden. Dabei handelt es sich um eine Vereinigung von 57 Staaten. Der IstanbulProzess hat zum Ziel, alte Konfrontationen zu überbrücken wie etwa den Religionshass. Mittlerweile ist der Vorsitz der OIC nach Saudi-Arabien gegangen. Mir war klar, dass eine Reise dorthin grenzwertig wirkt, weil dort ja massive Menschenrechtsverletzungen stattfinden. Ich habe es trotzdem gemacht.

Warum?

Bielefeldt: Das hat auch etwas damit zu tun, gegenüber der OIC signalisieren zu können: Was in Saudi-Arabien abging, war ein Rollback, aber ich war dabei und weiß die Lage einzuschätzen. Das ist wichtig, ich werde in Genf Nachgespräche haben. Auf der Konferenz wurde ständig vor allem von Pakistan und auch Saudi-Arabien die Heuchelei des Westens thematisiert: »double standards«, die Doppelmoral.

Ist da nicht auch was dran?

Bielefeldt: Ich wäre der Letzte, der bestreiten würde, dass es das gibt. Wenn man das Problem aber ausschließlich im Westen sieht und darüber überhaupt nicht in Saudi-Arabien oder dem Nahen Osten redet, denn wird double standard genau zu dem: zur Doppelmoral. Das ist zur Sprache gekommen, und zwar konfrontativ.

Eine Ihrer Publikationen fragt: Auslaufmodell Menschenwürde? Ist es nicht aber so, dass das Gegenteil der Fall ist? Dass es doch immer mehr Gesellschaften gibt, die sich gegen Diktaturen erheben?

Bielefeldt: Die Antwort lautet: Ja und Nein. Und zwar deshalb, weil die Welt sich eben nicht in eine einzige Richtung bewegt. So finden Sie ab und zu Durchbrüche nach vorn, aber leider auch Einbrüche. Manchmal in ein und demselben Land zu unterschiedlichen Themen. Da ist die W

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