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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2015
Der Kult ums Essen
Ernährung zwischen Lebensstil und Religionsersatz
Der Inhalt:

Was ist dran an Chinas Versprechen?

von Bettina Röder vom 10.07.2015
NachgefragtChina will den Schadstoffausstoß erheblich verringern. Fragen an den Umweltjournalisten Shi Ming

Publik-Forum: Herr Shi, der weltgrößte Energieverbraucher China hat jüngst angekündigt, den Ausstoß von Kohlendioxid um 65 Prozent gegenüber 2005 zu reduzieren. Was steckt hinter diesem Wandel?

Shi Ming: Da muss man das Kleingedruckte lesen. Das hört sich größer an, als es ist. Denn die 65 Prozent beziehen sich nicht auf die gesamte Menge von CO2. Es geht um die Wirtschaftsleistung, von der China diese Summe abhängig macht.

Was heißt das?

Shi: China steht vor einer Wirtschaftsflaute, von der die Optimisten sagen, sie dauere drei Jahre, die Pessimisten sprechen von zehn Jahren. 2012 hatte man ein Wachstum von 12,7 Prozent, jetzt liegt es unter 7 Prozent. So kann die chinesische Regierung ruhigen Gewissens sagen, wir reduzieren. Die EU und die USA haben aber das Ziel formuliert, den Ausstoß von der Wirtschaft abzukoppeln. Darauf soll beim Klimagipfel in Paris in fünf Monaten hingearbeitet werden.

Also doch keine Bewegung in China mit Blick auf diesen Gipfel?

Shi: Es ist schon ein Fortschritt, denn 2012 hatte China versprochen, 45 Prozent zu reduzieren. Jetzt sind es 20 Prozent mehr.

Ist der Ausbau der Atomkraft auch ein Grund dafür und wie steht es damit?

Shi: Im Moment gibt es acht Atomkraftwerke, zwei sind im Bau. Bis 2025 will das Land 36 AKWs bauen. Das Hauptproblem ist aber ein anderes, nämlich saubere Energie: die Wasserkraft. Chinesische Flüsse und Seen erleiden im Moment die größte ökologische Katastrophe wegen der gigantischen Dämme. Hier verringert man die Emissionen, da zerstört man die Umwelt.

Wer kann die Emissionen kontrollieren?

Shi: Keiner. Peking kann ja schon heute die Provinzen nicht so richtig kontrollieren. Es gibt nicht einmal eine einheitlich zuverlässige Berechnungsgrundlage dafür. Wie viel CO2 eine Industrieanlage freisetzt, das weiß man in Peking nur in etwa.

Wie umweltfreundlich ist denn das Land wirklich? Die Solarenergie boomt ja.

Shi: Da ist China heute schon der größte Produzent weltweit. Das Problem ist nur, dass die sauberen Energien in China selbst k

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