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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2017
Wie viel Religion verträgt die Kunst?
Eine Spurensuche auf der documenta
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Inklusion: So herrlich normal

von Linda Gärtner vom 21.07.2017
Obwohl Paul schwerstbehindert ist, macht er bald Abitur. Seit der ersten Klasse besucht er eine ganz normale Schule – in Italien. Inklusion ist dort seit Langem üblich. In Deutschland, wo er die ersten sechs Jahre lebte, war er für die Förderschule vorgesehen
Nicht immer war der Weg für Paul einfach, doch der Umzug der Familie nach Italien hat es ihm ermöglicht, eine ganz normale Schule zu besuchen (Foto: privat)
Nicht immer war der Weg für Paul einfach, doch der Umzug der Familie nach Italien hat es ihm ermöglicht, eine ganz normale Schule zu besuchen (Foto: privat)

Es gibt viele Gründe, nach Italien zu gehen: das Wetter, guter Wein, eine reiche Kultur. Aber auch die Möglichkeit, als schwerbehinderter Schüler einen normalen Bildungsweg bis zum Abitur zu beschreiten. Integration und Inklusion – ein Zauberwort, mit dem sich Deutschland in den Kinderschuhen befindet und darüber hinaus schwertut – sind in Italien seit Jahrzehnten Normalität, Sonderschulen existieren nicht oder in höchst eingeschränktem Maße.

Unser Sohn Paul ist körperlich schwerstbehindert – und er hat gerade die elfte Klasse eines ganz durchschnittlichen italienischen Gymnasiums beendet. Eine schulische Ausbildung, wie er sie hier genießt, wäre in ähnlichem Umfeld in Deutschland undenkbar. Trotz aller Versuche, Inklusion einzuführen. Selbst in sogenannten Inklusionsschulen.

Sauerstoffmangel unter der Geburt

Paul kennt kein anderes Leben als das eines Behinderten. Sauerstoffmangel unter der Geburt führte zu Schädigungen in den Teilen des Gehirns, die für Körperkontrolle und Bewegung zuständig sind. »Tetraplegie« nannten die Ärzte die Diagnose, die Unfähigkeit, die vier Gliedmaßen kontrolliert bewegen zu können. Dazu kam eine fehlende Kopfkontrolle sowie eine Störung der Mundmotorik.

Ob das Geburtstrauma auch geistige Schäden hinterlassen hatte, war lange Zeit unklar. Auch über eine mögliche Bildungsfähigkeit wollte in den ersten Lebensjahren des Jungen niemand eine Aussage machen. Man müsse abwarten, hieß es immer wieder, wenn wir nachfragten.

Für uns Eltern war dies die Zeit eines bangen Wartens. Therapiestunde folgte auf Therapiestunde, jede einzelne Pflegestufe musste erkämpft, um Hilfe von außen gerungen werden. Trä

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