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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2017
Wie viel Religion verträgt die Kunst?
Eine Spurensuche auf der documenta
Der Inhalt:

Kann Ökolandbau die Welt ernähren?

von Felix zu Löwenstein vom 21.07.2017
Streitfragenzur Zukunft: Ja, es geht sogar nur so! Denn die konventionelle Landwirtschaft zerstört viele Ressourcen, die die Hungernden ernähren könnten

Es ist absurd: Die Landwirte produzieren weltweit so viel wie nie zuvor. Rein rechnerisch könnten mit den weltweit produzierten Lebensmitteln 12 bis 14 Milliarden Menschen satt werden und sich gesund ernähren. Dennoch zählt das Heer der Hungernden fast 850 Millionen Menschen, eine knappe weitere Milliarde Menschen sind unterernährt.

Woran liegt das? Eine einfache Antwort gibt es nicht. Es sind miserable Regierungen, Kriege sowie die ungerechte Verteilung von Land und Einkommen, die Menschen in Afrika und anderswo daran hindern, Nahrungsmittel zu erwerben oder Vorräte für Dürrezeiten anzulegen. Auch durch Verschwendung gehen Massen von Nahrungsmitteln unwiederbringlich verloren: in den Ländern des Westen landet die Hälfte aller Agrarerzeugnisse im Müll; die Länder des Südens erleiden starke Verluste nach der Ernte, weil es an Lager- und Transportmöglichkeiten mangelt.

Besonders wir, die Menschen in den Industrieländern, verbrauchen oft sehr viel mehr, als uns zusteht. Das liegt vor allem an unserem großen Appetit auf Fleisch: Zwischen achtzig und 124 Kilogramm pro Jahr verzehren Deutsche, Franzosen oder Amerikaner. Pro Jahr! Dazu steigt die Nachfrage nach Fleisch auch in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften. Ein Großteil der Ernte von Nahrungsmitteln wird an Nutztiere verfüttert.

Zudem steigt der Bedarf nach nachwachsenden Rohstoffen zur Energieversorgung. In der Folge ist weniger Fläche zur Nahrungsmittelerzeugung vorhanden, deren Preise werden in die Höhe getrieben.

All das scheint nur einen Schluss zuzulassen: Die Landwirtschaft muss produktiver werden. Dazu braucht es Düngemittel und Pestizide und gentechnisch maßgeschneiderte Pflanzen. Das klingt zwar einleuchtend, ist aber falsch. Denn kein noch so produktives System agrarischer Erzeugung könnte auf dieser Erde leisten, was nötig wäre, damit alle Menschen unseren westlichen Lebensstil leben.

Schaut man genauer auf das Heer der Hungernden und Unterversorgten, wird deutlich: Zwei Drittel der hungernden Menschen leben auf dem Land. Insbesondere Frauen und Mädchen in Entwicklungsländern sind benachteiligt. Denn sie verrichten zwar einen Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit, besitzen weltweit aber nur zwei Prozent des Landes und leben deshalb häufiger in extremer Armut. Die Konkurrenz um Flächen für die Nahrungsmittelproduktion, den

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