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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2017
Wie viel Religion verträgt die Kunst?
Eine Spurensuche auf der documenta
Der Inhalt:

Inklusion: Irrweg oder Ausweg?

von Heike Baier vom 21.07.2017
Gymnasiallehrer Michael Felten warnt in seinem Buch »Die Inklusionsfalle« vor dem gemeinsamen Lernen. Hat er recht?

Wie umstritten das Konzept der Inklusion in Deutschland ist, zeigt ein aktuelles Buch. Michael Felten kritisiert die »Inklusionseuphorie« und warnt: Eine gut gemeinte Idee ruiniere »unser Bildungssystem«. Die schulische Inklusion sei übereilt eingeführt worden und völlig unterfinanziert. Der Autor der Streitschrift »Die Inklusionfalle« war 35 Jahre lang Mathematiklehrer an einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen. Ebenso glaubhaft wie schockierend beschreibt er, was in der Inklusionsrealität dieses Bundeslandes derzeit schiefläuft. Seine Beispiele handeln von Lehrern an Regelschulen, die »im Hauruckverfahren zum Schmalspur-Sonderpädagogen« fortgebildet werden; von verhaltensauffälligen Schülern, die ganze Klassen auf Monate hin lahmlegen und die eigentlich für viele Lerngruppen zuständige Sonderpädagogin alleine an sich binden; von Inklusionsklassen in der Sekundarstufe, in denen 9 von 21 Kindern Förderbedarf haben und es dennoch weder einen permanent anwesenden Sonderpädagogen noch einen kontinuierlich begleitenden Klassenlehrer gibt; und schließlich von den stillen und braven Kindern, die in diesen Settings komplett untergehen.

Nur »Kinderkrankheiten«? Keineswegs, sagt Felten. Die »radikale Inklusion« – und damit meint der Autor die Auflösung des mehrgliedrigen Schulsystems, wie er sie in einigen Bundesländern befürchtet – ist seiner Ansicht nach ein Irrweg. Und das nicht nur, weil keiner Inklusion in hochwertiger Form werde bezahlen können und wollen. Felten stellt gleich das ganze Ziel infrage: Denn es sei wissenschaftlich noch gar nicht ausreichend bewiesen, ob ein inklusives Schulsystem den Kindern überhaupt nütze. Oder ob nicht die Förderschule doch der bessere Lernort für viele behinderte Schüler ist und bleibt, ja: diese sogar eher dem Geist der UN-Behindertenrechtskonvention entspreche.

Das ist starker Tobak. Doch die Frage ist: Hat Felten recht? Der Inklusionsforscher und Professor für Sonderpädagogik an der Uni Wuppertal, Christian Huber, widerspricht: »Feltens Fakten lassen sich wissenschaftlich so nicht halten.« Beispielsweise was die Leistungsentwicklung von förderbedürftigen Kindern auf Regelschulen angeht: Es gebe mittlerweile recht gesicherte Erkenntnisse darüber, dass die Leistungsentwicklung sowohl bei Kindern mit Lernschwierigkeiten als auch mit Verhaltensproblemen besser sei als auf der Förderschule. Widerlegt »von mehreren, sehr belastbaren internationalen Studien« se

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