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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2017
Wie viel Religion verträgt die Kunst?
Eine Spurensuche auf der documenta
Der Inhalt:

Hallo Hans,

vom 21.07.2017
Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!):

ich muss dich mal bei deiner Sonnenanbetung auf den Malediven stören. Wir haben hier eine ganz interessante Bewerbung für unsere Detektei vorliegen. Es handelt sich um einen schon älteren Mann aus dem katholisch-kirchlichen Kontext – bleib ganz ruhig, Junge! Trotz seines Alters bringt er einige Referenzen mit, die für uns interessant sein könnten. Er schreibt, dass er langjährige Erfahrungen habe in »intensiver Beobachtung, zielgerichteter Aufdeckung von umstürzlerischen Umtrieben, Anschwärzung verdächtiger Personen, kompromissloser Anklageerhebung und fundiert begründeter Verurteilung«. Kann ich mir gut vorstellen. Die katholische Kirche hat da ja einiges geleistet in ihrer Geschichte! Er sei auch versiert in »diversen Abwehrstrategien« gegenüber unbegründeten Angriffen »subversiver Elemente«. Super Formulierung. Da hat’s bei mir geklickt. Mit solchen Leuten haben wir bei unserer Arbeit ja oft zu tun.

Er will seinen Namen noch nicht preisgeben. Aber er war ein ganz hohes Tier im Vatikan, kam wohl gleich nach dem Papst und befinde sich jetzt, wie er schreibt, »auf dem Abstellgleis«. Er hat keinen richtigen Job und sucht daher eine adäquate freiberufliche Tätigkeit, die er mit »Leib und Seele« ausfüllen könne. Eine freie Mitarbeit in unserer Detektei Adlerauge könne er sich sehr gut vorstellen. Dass die Typen im Vatikan solch einen Top-Mann abservieren, versteh ich nicht.

Ich finde, wir sollten den mal zu einem Vorstellungsgespräch einladen. Wir haben ja auch Klientel aus dem kirchlichen Dunstkreis: Beobachtung der Lebensführung kirchlicher Mitarbeiter, Verdacht auf sexuell-erotische Eskapaden von Pfarrern, Missbrauch, finanzielle Unregelmäßigkeiten und so – da könnte uns ein Mann mit fundierten Kenntnissen kirchlicher Interna eine große Hilfe sein. Er sei auch noch fit von den vielen Spaziergängen in den Grünanlagen des Vatikans, schreibt er.

Und: Er ist »Meenzer«, wie wir Hans! Fastnachter! Ich glaube, das passt. Einziger Nachteil: Er wolle nicht für »Gotteslohn« arbeiten, sagt er, der Mindestlohn müsse schon drin sein. Naja, als ehemalige Führungsperson hat er natürlich gewisse Ansprüche. Da werden wir halt mal hart verhandeln müssen.

Was meinst du? Solle mer’n roilosse, haha?

Wünsche noch einen schönen Urlaub

PFplus

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