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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2017
Wie viel Religion verträgt die Kunst?
Eine Spurensuche auf der documenta
Der Inhalt:

Was tun gegen Klischees?

von Bettina Röder vom 21.07.2017
Nachgefragt: Zum G20-Gipfel in Hamburg lud die St.-Pauli-Gemeinde auch Polizei ein. Doch was ist dran nach diesem Gipfel? Fragen an Pastor Sieghard Wilm

Publik-Forum: Herr Wilm, die Thüringer Polizei hat sich bei Ihnen nach dem G20-Gipfel bedankt. Wofür?

Sieghard Wilm: Nun, für eine ganz menschliche Geste. Wir hatten gesehen, dass vor dem Kirchgarten etwa dreißig Beamte schwer gerüstet standen. Und während wir dort unser Gemeindefest feierten an einem langen Tisch mit siebzig Personen, hat unser Küster zu den Beamten Kontakt aufgenommen. Ganz spontan. So haben sich Gespräche entwickelt, bis die ersten ihren Helm abgenommen haben. Dann haben sie die Freundlichkeit genießen können und interessante Gespräche geführt.

Sie saßen an einer langen Tafel mit Ihnen?

Wilm: Das durften die gar nicht. Es waren unsere Gäste, die ihnen kühle Getränke gebracht haben. Wir hatten übrigens auf unserem Gelände auch ein Camp von den Protestlern.

Was haben Sie da erfahren?

Wilm: Die Polizei schrieb uns, dass sie – auch nach den Vorfällen im Schanzenviertel – noch weiteren Menschen begegnet sei, die ihnen entgegenkommen sind. Das hat allen sehr viel bedeutet. Ansonsten ist ja Kontaktaufnahme schwer. Sie haben schwer bewaffnete Leute vor sich und wissen gar nicht, wie Sie die ansprechen sollen. Auch für die Bevölkerung müsste es da sichtbare Ansprechpartner geben. Auch das ist Deeskalation.

Worin besteht die Rolle der Kirchen dabei?

Wilm: Kirche ist eine gesellschaftliche Kraft, die Brücken bauen kann. Das bedeutet eben auch Entdämonisieren. Und das in alle Richtungen – auch in die der Polizei.

Inwiefern?

Wilm: Nehmen Sie die Erfurter Polizei, eine der Sondereinheiten, die wirklich einen harten Job haben. Die darf man nicht dämonisieren. Kein Verständnis habe ich dafür, wenn das Maß im Einsatz verloren geht. Das war in Hamburg der Fall. Die Menschen hier sind völlig schutzlos gewesen. Und dann muss man auch zwischen den Beamten unterscheiden, die im Einsatz sind, und denen, die den Stil der Maßnahmen zu verantworten haben. Zur Differenzierung lade ich ein, das gilt auch für die Protestierer.

Wo liegt das Problem?

Wilm: Im Überschwang der Gefühle ist es immer wieder dazu gekommen, dass der Terminus »links«

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