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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2017
Wie viel Religion verträgt die Kunst?
Eine Spurensuche auf der documenta
Der Inhalt:

»Saugut für diese Welt«

vom 21.07.2017
Was mir die Reformation bedeutet:

Religionen – da bin ich ein typisches DDR-Kind – habe ich nicht mit der Muttermilch aufgesogen. Die Christenlehre oder den Konfirmandenunterricht habe ich nie besucht. Ich bin in einem atheistischen Elternhaus aufgewachsen. In meiner Schulzeit und auch später spielten Glaube und Kirche kaum eine Rolle. Sie sind mir oftmals fremd und ich merke, wie sehr ich das bedaure. Ich möchte mehr verstehen. Ein Jubiläum wie »500 Jahre Reformation« fordert mich darum geradezu heraus zu fragen: Was hätte Luther heute getan, welchen Blick hätte er auf unsere Zeit gehabt, welche Antworten hätte er auf die Fragen unserer Zeit gegeben?

Natürlich kann ich Luthers Gedanken, Reden und Taten nicht eins zu eins auf unsere Zeit anwenden. Jeder Mensch – egal ob historisch bedeutend oder nicht – ist letztlich in seinem Handeln und Denken nur aus seiner Zeit heraus erklärbar. Das sorgt auch dafür, dass ein Mann wie Luther nie unumstritten sein kann. So fragte sich der Astronom Johannes Keppler bereits im Jahr 1597 beim Gedanken an Luther, ob es nicht vielleicht doch richtig sei, dass »große Naturen mit großen Tugenden auch große Fehler hervorbringen«.

Das heißt, wir müssen tun, was er getan hat. So wie er die Bibel übersetzte, gilt es für uns, Luther zu übersetzen. Ihn zu übersetzen in unsere Zeit, um zu erfahren, ob seine Antworten für unsere Fragen taugen. Doch da geht die Schwierigkeit schon los. In welcher Sprache will ich diese Übersetzung leisten?

In der Sprache der Theologie fällt die Übersetzung sicherlich anders aus als in der Sprache der Naturwissenschaft oder gar des Feminismus. Wer Luther in der Sprache des Herzens übersetzt, kommt sicher zu anderen Ergebnissen als der, der sich der Translation als Sprachwissenschaftler oder auch als Gesellschaftswissenschaftler nähert.

Darum bin ich überzeugt: Jeder ist gefordert, seine eigene Übersetzung von Luther und der Reformation in sein Leben anzugehen. In meiner Übersetzung hat Luther mit der Reformation keinen zerstörerischen Ansatz verfolgt. Er wollte Kirche nicht zerschlagen. Er wollte den Menschen die Bibel näherbringen, den Glauben näherbringen, die Kirche menschlicher machen, Menschen zusammenführen und emanzipieren.

Er forderte Kirche auch dazu auf, sich selbst zu hinterfragen, die Menschen mitzunehmen, den Glauben zu erklären. Und vor allem: nicht jedes vermeintlich eherne Gesetz

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