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Norbert Coprays gesammelte Werke (5)

Dieses Buch sollen Katholiken nicht lesen. Jedenfalls hat das die Glaubensbehörde des Vatikans beschlossen. An katholischen Schulen und Universitäten ist es verboten. Dabei hat die US-amerikanische Ordensfrau und emeritierte Yale-Professorin Margaret A. Farley nur begründet, warum man Homosexualität, Scheidung und Formenvielfalt der Familie nicht verdammen muss. Erstaunlich! Das Buch des Monats
von Norbert Copray vom 29.10.2014
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Vor diesem Buch warnt der Vatikan: Norbert Copray bespricht Margaret A. Farleys Streitschrift "Verdammter Sex. Für eine neue christliche Sexualmoral". (Foto: luxuz:./photocase.de/modifiziert)
Vor diesem Buch warnt der Vatikan: Norbert Copray bespricht Margaret A. Farleys Streitschrift "Verdammter Sex. Für eine neue christliche Sexualmoral". (Foto: luxuz:./photocase.de/modifiziert)

Dieses Buch stehe in einigen Punkten in »direktem Widerspruch« zu Lehren der katholischen Kirche, heißt es aus Rom. Doch gerade zur Klärung und für den Fortschritt hin zu einer neuen christlichen Sexualmoral ist das Buch erschienen. Geschrieben hat es die renommierte amerikanische Theologin Margaret Farley, Jahrgang 1935, Ordensfrau der Schwestern der Barmherzigkeit. Sie stellt einen garstigen Graben fest zwischen der gelebten Sexualität und der intimen Liebe einerseits und der katholischerseits gelehrten und abverlangten Sexualmoral andererseits.

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Im Englischen heißt das Buch »Just Love«, so viel wie »Einfach Liebe« oder besser noch »Nur die Liebe zählt«. Die Autorin hätte es gern auf Deutsch »Gerechte Liebe« genannt, was das Zentrum des Buches genau trifft. Doch der Verlag hat es jetzt unter dem Titel »Verdammter Sex« herausgebracht, um darin den Streit um den Inhalt und den Fortschritt in der christlichen Sexualmoral zu signalisieren. Es ist zweifelhaft, dass das der Titel leistet.

Dafür leistet die Autorin Margaret A. Farley Einiges. Sie formuliert die Begründung einer neuen christlichen Sexualmoral, wie sie seit den Büchern von Wolfgang Bartholomäus (»Lust aus Liebe«, 1993; »Glut der Begierde – Sprache der Liebe«, 1988) nicht mehr versucht wurde. Farley zieht vier Quellen zurate: die Bibel, die aber interpretationsbedürftig und umweltabhängig ist; die Tradition, die in sich widersprüchlich ist; die Wissenschaften, die vieles in neuem Licht erkennen lassen, aber selbst keine Moral lehren – und die Erfahrung, die quer zu den genannten Quellen liegt und gedeutetes Erleben und Empfinden ist.

Sorgfältig wägt die Autorin die Quellen und zeigt, wie wir uns auch in unserer Sexualität und Sexualmoral weiterentwickeln, ohne dass wir deshalb einen »verdammten Sex« praktizieren. Bevor sie ihre Ergebnisse präsentiert, nimmt sie einen langen Anlauf durch die Geschichte, durch interkulturelle Erkenntnisse, durch Theologie und Biologie. Dadurch erarbeitet sie sich – stets im Blick auf den Zusammenhang von Sexualität, Macht und Gemeinschaft – die »Leitlinien für die Sexualethik«: Unversehrtheit, Einvernehmen, Gegenseitigkeit, Gleichheit, Verbindlichkeit, Fruchtbarkeit und soziale Gerechtigkeit. Kurz: für »gerechte Liebe und gerechten Sex«. So kennzeichnen die Leitbegriffe auch das, was sexuelle Gerechtigkeit meint.

Von daher verdammt Farley Homosexualität, Masturbation, Scheidung, Polygamie und Formenvielfalt der Familie nicht per se – wie es die Kirche tut –, sondern nur dann, wenn sie gegen die Leitlinien verstoßen. Sie widerspricht so vor allem der katholischen – mitunter auch der protestantischen –, oftmals lebensfernen Lehre. In deren Deutung von Bibel, Tradition und heutiger Praxis wird Herrschaft manifestiert statt Liebe und Barmherzigkeit – wie bei Farley.

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Personalaudioinformationstext:   Norbert Copray leitet die Sachbuch- und Rezensionsabteilung von Publik-Forum. Der Direktor der Fairness-Stiftung ist Mitherausgeber unserer Zeitschrift. In der Reihe »Norbert Coprays gesammelte Werke« erscheinen seine »Bücher des Monats« regelmäßig auf www.publik-forum.de
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