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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2017
Wem gehört die Welt?
Einblicke in die Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus
Der Inhalt:

Inspiriert von den Zehn Geboten

von Norbert Copray vom 12.07.2017
Einundzwanzig zeitgenössische Autoren haben sich literarisch mit den Zehn Geboten auseinandergesetzt. Entstanden ist eine spannende, ungewöhnliche Annäherung an den biblischen Text. Norbert Copray empfiehlt »Dekalog heute« als Buch des Monats
Dekalog heute: Aus einem ökumenischen Projekt wurde ein faszinierendes Buch (Foto: luxuz:.photocase.de)
Dekalog heute: Aus einem ökumenischen Projekt wurde ein faszinierendes Buch (Foto: luxuz:.photocase.de)

Dieses Buch hat eine Sogwirkung: Spontan eintauchen, gepackt werden, hängen bleiben, lesend die Zeit vergessen. So geht es mir zum Beispiel mit dem Text von Rabea Edel, eine von 21 zeitgenössischen, mehrfach preisgekrönten Literaten. Edel schreibt über das fünfte Gebot, ebenso wie Michael Lentz. Das ist das Prinzip: Immer zwei Autoren schreiben jeweils einen Text über ein Gebot. Subjektiv und poetisch. Beim Wort genommen, verhört bis in die Tiefenschichten, assoziiert mit eigenem Leben, unserem Leben. Zeitgenossenschaft und alte Bibel.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 13/2017 vom 07.07.2017, Seite 54
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Ein fünfjähriges ökumenisches Projekt

Das Zehnwort, der Dekalog, ist die Ausgangslage. Sie wird mit der Ausgangslage eines jeden Autors im Text verknüpft. Sie oder er webt auf diese Weise Leben in das Gebot ein. So sind zwanzig einzigartige Texte zu lesen mit einer ebenso trefflichen wie grundsätzlichen Einführung zum »Dekalog« von Sibylle Lewitscharoff.

Konzipiert, gestaltet und begleitet haben das fünfjährige Projekt Ludger Hagedorn, Leiter des Jan-Patocka-Archivs am »Institut für die Wissenschaft vom Menschen« in Wien, und Mariola Lewandowska, Vizepräsidentin und Geschäftsführerin der Romano-Guardini-Stiftung in Berlin. Die beiden prominenten christlichen Berliner Kulturstiftungen – Guardini (katholisch) und St. Matthäus (evangelisch) – haben ökumenisch zusammengearbeitet, im Blick auf das Reformationsjubiläum.

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Als Referenztext diente die lutherische Lesart der Zehn Gebote, so wie sie im »Kleinen Katechismus« formuliert sind. Weitere Inspiration lieferte der zehnteilige »Dekalog«-Filmzyklus des 1996 verstorbenen polnischen Filmregisseurs und Drehbuchautors Krzysztof Kieslowski, der durch diese Arbeit weltberühmte wurde. Seine zeitgenössische filmische Auseinandersetzung mit den Zehn Geboten wird in gewisser Weise ins Literarische übertragen.

Spannend, befremdlich, konfrontativ

Es geht spannend zu, überraschend, bisweilen befremdlich und konfrontativ. Aber stets stimmen die Texte nachdenklich und erzeugen ein spirituelles Echo. Die Texte sind – ob lyrisch, prosaisch, ob als Collage, Essay, Kurzerzählung, Tagebuch oder Erinnerung – stets von vorzüglicher literarischer Qualität. Zehn Bilder aus der mittlerweile 800 Werke umfassenden Serie des Malers Martin Assig unterteilen die Kapitel und regen ihrerseits zu einem nachdenklichen Blick an.

Ob Petra Morsbach über das achte Gebot schreibt, »der Mensch ist eine Quasselmaschine«, oder Annette Pehnt ihren Beitrag dazu unter die Überschrift »Schon gehört« stellt: Stets geht es darum, die Zehn Gebote jenseits von Denk- und Schreibklischees zu verstehen. Die Künstler wollen das Bedenkenswerte und das jeweilig Gebotene im Heute entfalten. Das ökumenische Projekt ist zugleich eine Ost-West-Deutschland-Verbindung, die keine Unterschiede verwischt, sie jedoch fruchtbar macht für immer anregende und bisweilen aufregende Texte. Auf diese Weise haben wohl die meisten Leserinnen und Leser die Zehn Gebote noch nicht bedacht.

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