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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2015
Der Inhalt:

Norbert Coprays gesammelte Werke (14)

von Norbert Copray vom 26.11.2015
Das Asylrecht in Europa steht angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen auf dem Prüfstand. Norbert Copray bespricht aktuelle Bücher, die Ursachen der Flucht und Gründe für »das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik« benennen
 In »Fluchtpunkt Europa« beschreibt Michael Richter Fluchtursachen und Flüchtlingsrouten, die Arbeit der Schmuggler und Schlepper sowie die Reaktionen durch das europäische Grenzregime, angefangen bei Frontex bis zu Eurosur
In »Fluchtpunkt Europa« beschreibt Michael Richter Fluchtursachen und Flüchtlingsrouten, die Arbeit der Schmuggler und Schlepper sowie die Reaktionen durch das europäische Grenzregime, angefangen bei Frontex bis zu Eurosur

Sechzig Millionen Flüchtlinge gibt es derzeit weltweit. Davon sind etwa vierzig Millionen Binnenvertriebene und etwas mehr als zwei Millionen Asylsuchende. Das sind die Folgen von Krieg, Invasion, Hunger, Elend, Klimawandel und fehlenden Zukunftsaussichten.

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Die Flüchtlingsströme sind eine Zerreißprobe für Europa. Der Wertekanon steht auf dem Spiel. »Fluchtpunkt Europa« benennt der Publizist und Regisseur Michael Richter sein gerade erschienenes Buch. Der Autor, der für seine anschaulichen Reportagen und Dokumentationen in der ARD mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, zeigt die Fluchtursachen ebenso wie die Flüchtlingsrouten, die Arbeit der Schmuggler und Schlepper und die Reaktionen durch das europäische Grenzregime, angefangen bei Frontex bis zu Eurosur.

Destruktiver Umgang mit dem Asylrecht

Anschließend demonstriert er den teils destruktiven Umgang mit dem Asylrecht und der Genfer Flüchtlingskonvention, wie er von Griechenland bis Spanien praktiziert wird. Eingehend befasst sich Richter mit der Situation in Deutschland. Viele Bürgermeister und Verantwortliche wissen nicht mehr, wohin mit den vielen Flüchtlingen. Zudem werden die Verantwortlichen und ihre Helfer zunehmend mit rechtspopulistischen und rechtsnationalistischen Haltungen konfrontiert.

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Richter erinnert daran, dass es schon in den 1990er-Jahren Kampagnen gegen Asylbewerber gab, auf die dann eine Zunahme an rassistischen Straftaten folgte: von Hoyerswerda bis Rostock-Lichtenhagen. Entsprechend ambivalent ist die Stimmung heute. Die rechte Hetze im Internet und auf der Straße ist massiv. Der Start für Flüchtlinge bei uns viel schwieriger ist als gehofft, die Arbeitssuche kompliziert.

Doch es gibt auch viel Positives zu berichten: Deutsch- und Integrationskurse, Traumabehandlung, Initiativen vor Ort. Richter entwirft für »unsere humanitäre Verantwortung« einen Aktionsplan. Dazu gehören: sichere Einreise ermöglichen, Nothilfe stärken, Grenzschutz als Menschenschutz praktizieren, Courage zeigen, ein Einwanderungsgesetz verabschieden.

Vieles deckt sich mit den Vorschlägen der drei Asyl-Experten Wolfgang Grenz, Julian Lehmann und Stefan Keßler in ihrem Buch »Schiffbruch«. Darin suchen sie Gründe für »das Versagen der europäischen Flüchtlingspolitik« (so der Untertitel). Der Bogen reicht von Momentaufnahmen aus Lampedusa und Schilderungen des hohen Risikos des Todes auf der Flucht bis hin zu den »Warteschleifen« in der bundesdeutschen Bürokratie. Beide Bücher sind sorgfältig abgefasst und gut geschrieben. Eindrücklich fordern sie uns auf, mutiger zu werden für eine bessere Flüchtlings- und Asylpolitik. Wer diese Sachinformationen, politischen Analysen und humanitären Kriterien zur Asyl- und Flüchtlingspolitik zur Kenntnis nimmt, hat einen guten Fundus, eigenen Zweifeln und rechten Parolen Paroli zu bieten.

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