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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2017
Wem gehört die Welt?
Einblicke in die Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus
Der Inhalt:

Neue alpine Seele

von Stefan Franzen vom 07.07.2017

CD. Die Musik der Alpen hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer mehr geöffnet. Man spricht in Österreich und der Schweiz, in Südtirol und Bayern von einer »Neuen Volksmusik«, die mit den alten Klischees vom Schuhplatteln und Jodeln nichts mehr zu tun und stattdessen einen jungen, kosmopolitischen Anstrich hat. Ihre Wurzeln baut diese Generation aber dennoch raffiniert in die neuen Klangwelten ein. So heißt das neue Werk des Ensembles Alma auch »Oeo«, greift also einen Jodel-Laut auf. Das Quintett, vier Frauen und ein Mann, mit Gesang, Geigen, Akkordeon und Kontrabass, stellt neben dem Blechblas-Septett Federspiel die Speerspitze der österreichischen Alpen-Avantgarde. Eine erdige Polka, skandinavisch angehaucht, bekommt plötzlich einen bluesartigen Anstrich. In dichtem harmonischen Satz kreist ein Sommerwalzer, und ein Ländler aus dem Salzkammergut klingt wie ein erhabener Hymnus. Experimentell, ohne Scheu vor der stimmlichen Reibung und der kratzenden Fidel, wird das Titelstück zum von Jazz aufgeladenen Gruß an vergangene Jodelvokabeln. Bei einem Ausflug ins süditalienische Apulien verbindet sich Liebesschmerz mit archaischem Trauergesang. In ihrer Widmung an Anton Bruckner knüpfen die Musiker Volkston an sakrale Innigkeit, ebenso wie sich das meditative Wehen des Akkordeons in »Tranquilla« mit einer zackig-swingenden Sequenz abwechselt. Einen Einblick ins Paradies gewährt das finale Stück »Renate grüßt das Universum«, mit Anleihen bei der Country- und Minimal-Musik. Das alles hat neben Innovationswillen vor allem viel »Seele«, wie man Alma, den beliebten Frauennamen aus dem Alpenland, ja auch übersetzen kann.

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