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Pro und Contra
Mehr Wettbewerb auf der Schiene?

Die Deutsche Bahn muss dem privaten italienischen Bahnunternehmen Italo Zugang zu wichtigen Strecken gewähren. Hilft das den Reisenden?
vom 11.08.2026
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(Foto: istockphoto / bennymarty)
(Foto: istockphoto / bennymarty)

Detlef Neuß: Ja!

Detlef Neuß ist Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Der unabhängige und gemeinnützige Verband vertritt die Interessen der Bahnfahrenden.  (Foto: Privat)Mit dem geplanten Einstieg von Italo ins deutsche Fernverkehrsnetz beginnt ein neues Kapitel im Betrieb des Schienenfernverkehrs. Mehr Konkurrenz auf der Schiene im Fernverkehr ist grundsätzlich eine gute Nachricht für die Bahnkunden, die nun natürlich durch das zu erwartende Bemühen um die Fahrgäste günstigere Preise und mehr Zuverlässigkeit erwarten.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 15/2026 vom 14.08.2026, Seite 8
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Bisher waren Mitanbieter eher die Ausnahme. Die Konkurrenten waren Anbieter in der Nische. Die österreichische Bahn (ÖBB) bietet Nachtverkehre an, Flixtrain bedient auf Hauptstrecken überwiegend touristische Verkehre, die gern von jungem Publikum genutzt werden.

Nun erscheint mit Italo zum ersten Mal ein Anbieter, der der Deutschen Bahn AG in ihrem Kernbereich ein Angebot entgegensetzen will, dem Regelverkehr im Fernverkehr. Moderne Schnellverkehrszüge, bequem, sauber und sicher, sollen das vorhandene Angebot der DB AG sinnvoll ergänzen. Dass Konkurrenz das Geschäft belebt ist eine Binsenweisheit, und die Wahl zu haben, war für Konsumenten in jedem Bereich schon immer besser, als auf ein Monopol angewiesen zu sein.

Bei allem Optimismus: Bei dem neuen Angebot bleiben trotzdem Fragen offen. Wie stellt man sich den Bahnfernverkehr auf ohnehin bereits überlasteten Strecken vor? Soll Italo ICE-Verbindungen ersetzen oder soll die Konkurrenz dort zusätzlich fahren? Geht das alles möglicherweise zu Lasten des Angebots im Nahverkehr und des Güterverkehrs? 80 Prozent der Verspätungen sind auf die marode Bahninfrastruktur zurückzuführen. Es ist kaum vorstellbar, dass davon nicht auch Verbindungen von Italo betroffen sein werden, die dieselbe Infrastruktur nutzen wie die derzeit verkehrenden Züge. Ob die Konkurrenz pünktlicher sein wird als die DB AG, bleibt also abzuwarten. Es ist jedenfalls nicht wünschenswert, dass ein Unternehmen, welches auch immer, im Betrieb bevorzugt behandelt wird.

Wie wird der Ticket-Vertrieb geregelt werden? Kann man Tickets der Konkurrenz nur online, entweder per App oder über eine Website, erwerben? Wird es zumindest in den großen Knotenbahnhöfen Verkaufsstellen geben oder wird das in Zusammenarbeit mit DB-Vertrieb geregelt werden können? Wird es eine gegenseitige Anerkennung von Tickets bei Zugausfällen oder Verspätungen geben?

Die Politik kann sich bei solchen Fragen nicht auf die Position zurückziehen, dass alles der Markt regelt. Insgesamt sollte mehr Konkurrenz auf der Schiene sich positiv für die Fahrgäste auswirken, vorausgesetzt, man klärt bestehende Fragen.

Martin Burkert: Nein!

Martin Burkert ist Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG. (Foto: PA/DPA/Christoph Soeder)Es gibt vermutlich wenig Dinge in Deutschland, die so mystisch-verklärt sind wie der Begriff Wettbewerb. Vielen hier gilt der Wettbewerb als Retter in der Not, ja, als Antwort auf eigentlich alles. Das konnte man zuletzt im Bereich des Fernverkehrs auf der Schiene gut beobachten. Die Tickets zu teuer? Der Wettbewerb wird’s richten. Dreckig sind die Züge auch und der Kaffee ist oft aus? Wäre kein Thema, wenn wir nur mehr Wettbewerb hätten. Außerdem kommt man ständig zu spät, aber auch das kann doch sicher der Wettbewerb regeln. Oder nicht?

Wenn man zuletzt die Wettbewerbs-Apologeten beobachtet hat, wie sie mit der frohen Botschaft des Italo-Markteintritts durch die Lande gezogen sind, kam man ja kaum daran vorbei, dass sämtliche Probleme der Eisenbahn in Deutschland wie weggeblasen sein werden, wenn doch bloß endlich dieses von milliardenschweren Investoren getragene Unternehmen aus Italien den deutschen Markt aufwirbeln darf.

Es tut mir leid, dass ich hier den Spielverderber geben muss, denn der Markteintritt von Italo hat Folgen, über die man nicht ganz so gerne spricht als Wettbewerbsfreund. Italo will in erster Linie nicht die deutschen Bahnkunden befreien, Italo will Geld verdienen. Und das nicht zu knapp. Deswegen schielt das Unternehmen auf die lukrativsten Strecken, die es im deutschen Schienennetz gibt. Die Deutsche Bahn betreibt ihr Fernverkehrsgeschäft in einer Mischkalkulation: Sie verdient gutes Geld auf den Hauptstrecken und finanziert damit Fernverkehr auf den Nebenstrecken, der sich eigentlich nicht rechnen würde. Verdrängt jetzt Italo die Deutsche Bahn auf den Hauptstrecken, fehlt der DB das Geld für die Strecken und Bahnhöfe in der Fläche. Die Folge ist, dass der Fernverkehr dort wegbrechen wird. Die allermeisten Bahnkunden dürfen sich dann darauf freuen, dass sie zwar künftig in den Metropolen zwischen zwei Bahnunternehmen wählen dürfen. Dafür müssen sie aber erst mal stundenlang mit Regio oder Auto fahren, um überhaupt zum Startbahnhof zu kommen.

Aber wenigstens die Tickets werden doch schon günstiger, oder? Wenn man sich den Markteintritt von Italo in Italien anschaut, kann man das mit einem klaren Ja beantworten. Also, zumindest für kurze Zeit. Denn nachdem man sich am Markt etabliert hatte, hat man die Preise massiv hochgeschraubt. Die Investoren von Italo wollten schließlich etwas zurückbekommen für ihr Geld.

Um es noch mal ganz klar zu machen: Wir sind nicht gegen Wettbewerb. Wir sind aber gegen diesen Wettbewerb, bei dem am Ende Strecken wegfallen, Jobs gestrichen werden und die Bahnkunden in die Röhre gucken. Das kann die Politik schlauer lösen und das sollte sie auch tun.

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Personalaudioinformationstext:   Detlef Neuß ist Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Der unabhängige und gemeinnützige Verband vertritt die Interessen der Bahnfahrenden.

Martin Burkert ist Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.
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