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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2020
Der Gott von gestern
Warum die Kirchen in der Krise sprachlos sind
Der Inhalt:

»Noch haben wir es in der Hand«

von Ludwig Greven vom 21.07.2020
Lässt sich die Erfahrung rascher Verhaltensänderungen aus der Corona-Krise auf die Klimakrise übertragen? Der Kieler Klimaforscher Mojib Latif hält dies für möglich – und für dringend nötig
Hoffnungsvoll: Mojib Latif (Foto: pa/Rehder)
Hoffnungsvoll: Mojib Latif (Foto: pa/Rehder)

Wir sind in einem Hamburger Café verabredet. Der Sommer macht an diesem Tag Pause, es ist frisch. Als echter Hamburger Jung‘ sitzt Mojib Latif trotzdem draußen, mit Daunenjacke. Kann er, ein gefragter Klimawissenschaftler und Professor für Meteorologie und Ozeanforschung, unbeschwert über das Wetter reden? Er lacht: »Ja, ich genieße die Natur. Ich wohne an der Ostsee, fahre oft mit dem Fahrrad und denke dann nicht daran, dass wir das alles kaputt machen.«

Publik-Forum: Viele machen sich im Moment vor allem Sorgen um die Folgen der Pandemie, nicht ums Klima.

Mojib Latif: Ich kann das sehr gut verstehen bei so vielen Infizierten und Toten. Auch können viele aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr am sozialen und kulturellen Leben teilhaben. Wer nicht weiß, wie er seine Miete bezahlen kann, denkt nicht an den Klimawandel. Deshalb muss man Sozialpolitik und Umweltpolitik zusammendenken. Die soziale Spaltung verhindert in die Zukunft gerichtetes Handeln. Für die Bewältigung der Klimakrise brauchen wir die Akzeptanz der Bevölkerung. Doch die muss sich die erforderlichen Maßnahmen auch leisten können.

Sie schreiben in Ihrem Buch »Heißzeit«, auch sei Corona absehbar gewesen. Dennoch hat die Politik keine Vorsorge getroffen. Wieso sollte das beim Klima anders sein?

Latif: Vor der Pandemie hat man Warnungen abgetan. Beim Klimawandel weiß man seit dreißig Jahren, was droht. Dass dennoch zu wenig dagegen getan wird, liegt vor allem an den kurzfristigen Wirtschaftsinteressen. Corona bietet große Chancen. Menschen erkennen, was wichtig ist und was nicht. Auf einmal sind unfassbar große Geldm

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