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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2018
Der Kampf um den Sand
Die Gier nach dem Rohstoff bedroht Mensch und Umwelt
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Wozu noch Priester?

von Michael Schrom vom 09.03.2018
Die beiden großen Kirchen in Deutschland verlieren Mitglieder. Zugleich sinkt auch die Zahl derer, die Pfarrer werden wollen, seit Jahren dramatisch, in der katholischen Kirche stärker als in der evangelischen. Was bedeutet das für den Beruf?
Mittlerweile ein seltenes Bild: Katholische Priesterweihe im Hamburger Dom (Foto: KNA)
Mittlerweile ein seltenes Bild: Katholische Priesterweihe im Hamburger Dom (Foto: KNA)

Manchmal denkt Hubertus Brantzen an das alte Ägypten. An den Isis- und Osiris-Kult mit seinen Tempeln und der 3500-jährigen Religionsgeschichte. Dann fragt sich der katholische Theologe, der lange Jahre für die Ausbildung von Kaplänen am Priesterseminar Mainz zuständig war, ob sich die letzten Priester des Osiris-Kultes, der im Jahr 537 n. Chr. von Kaiser Justinian verboten wurde, so gefühlt haben wie viele Pfarrer heute – als letzte Exemplare einer aussterbenden Art.

Natürlich hinkt der Vergleich. In unseren Breiten ist der Einfluss der Kirchen durch viele Stützen gesellschaftlich abgesichert. Und es ist derzeit keine andere Religion in Sicht, die intellektuell oder spirituell in der Lage wäre, eine Massenbewegung auszulösen. Auch kein Diktator, der eine neue Religion durchsetzt. Nicht zu übersehen ist jedoch der Bedeutungsverlust des Christentums, die Umwandlung und der Abriss vieler Kirchen und der eklatante Nachwuchsmangel. In beiden Kirchen sinkt die Zahl derer, die den Pfarrberuf ergreifen wollen, seit Jahren dramatisch. In der katholischen noch schneller als in der evangelischen. Dass Eltern außer sich vor Freude sind, wenn der Sohn oder die Tochter als Berufswunsch Pfarrer(in) angibt, ist eher die Ausnahme. Die Zahl der Neueintritte in katholische Priesterseminare kann man in vielen Bistümern an einer Hand abzählen, oft braucht man nicht einmal fünf Finger. Das schlägt vielen aufs Gemüt.

Die Folgen des Priestermangels

Andreas Unfried, Pfarrer der Großpfarrei Sankt Ursula in Oberursel, die aus acht ehemals selbstständigen Pfarrgemeinden gebildet wurde und 14 500 Katholiken umfasst, kennt die Folgen des Priestermangels. Er hat Gemeinden zusammengelegt, Gruppen beg

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