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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2018
Der Kampf um den Sand
Die Gier nach dem Rohstoff bedroht Mensch und Umwelt
Der Inhalt:

Ja, ich werde wirklich Pfarrerin

Auf die Frage: »Und was machst du so?« habe ich keine Lust mehr zu antworten. Denn ich weiß, dass auf die Antwort »Ich werde Pfarrerin« einiges folgen kann, aber nur selten Gelassenheit. Es ist ein Beruf, den ich als sehr polarisierend wahrnehme. Entweder mein Gegenüber reagiert mit Begeisterung, was selten der Fall ist, oder aber mit Ressentiments gegenüber der Kirche, die er mir dann vehement vorträgt, als müsste er sich mir gegenüber rechtfertigen, warum er keine Kirchensteuer mehr zahlt, oder als ob ich persönlich an den Missständen der Kirche (auch an denen in der katholischen) schuld wäre. Automatisch werde ich als künftige Amtsträgerin der Kirche mit dieser identifiziert.

Auf der anderen Seite ist es ebendieses Amt, das mir schon häufig einen großen Vertrauensbonus eingeräumt hat. Menschen erzählen mir von ihrem persönlichen Schicksal, sie sprechen über ihr Gelingen und Scheitern im Leben und über ihre Ängste und Trauer. Zum Beispiel über den toten Sohn, den sie so sehr vermissen und der heute an der Geburtstagstafel fehlt. Auch im Krankenhaus offenbaren einem die Menschen Intimitäten, für die sie sich schämen und über die sie deswegen mit nahen Angehörigen oder sogar Freunden nicht sprechen wollen. Mit der Pfarrerin geht das, weil sie das Gehörte nicht weitersagen wird und weil sie zuhört, ohne zu urteilen, und Anteil nimmt.

Die Tage im Pfarramt sind abwechslungsreich, aber können auch sehr lang sein: Schulunterricht, Verwaltungsausschuss, Dienstbesprechung, Absprachen zum Kindermusical, Geburtstagsbesuch, Predigt schreiben, Konfirmandenunterricht und abends eine Kirchenvorstandssitzung bis um 22 Uhr – am Dienstag. So manches Mal hat mich das im Vikariat auch überfordert und dazu geführ