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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2020
Erbsünde Rassismus
Schwarze Befreiungstheologie von der Sklaverei bis zur Ermordung George Floyds
Der Inhalt:

Demokratie auf Katholisch

von Britta Baas vom 25.06.2020
Bischof Bätzing signalisiert mit der Missbrauchsstudie aus Limburg, dass er wirklich Neues für seine Kirche will
Wenn Jesus nicht mehr mitmacht ob des Missbrauchsskandals: »Wir haben da ein richtiges Problem« (Zeichnung: Thomas Plassmann)
Wenn Jesus nicht mehr mitmacht ob des Missbrauchsskandals: »Wir haben da ein richtiges Problem« (Zeichnung: Thomas Plassmann)

In der Paulskirche musste es sein. Drunter ging es nicht. Der Bischof von Limburg, seit März auch Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, hatte den Ort für die Präsentation der Missbrauchsstudie aus seinem Bistum wohl gewählt. In dem markanten Gebäude im Herzen Frankfurts hatte von Mai 1848 bis Mai 1849 das erste gesamtdeutsche Parlament getagt. Die Abgeordneten rangen um eine neue Verfassung und um die Einheit des Landes. Es war die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland.

Sollte Bätzings Botschaft Mitte Juni 2020 also gewesen sein: »Dies ist die Geburtsstunde der Demokratie in der Kirche!«? Was die Studie aus Limburg unter allen schon bekannten Studien besonders macht, ist jedenfalls der Blick auf die Konsequenzen des Erkannten – und die Faktentreue. »Wir hatten Zugang zu Originalakten«, erklärte die Wiesbadener Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller, die als externe Projektbeobachterin dabei war. Was für Nichtkenner der Kirche völlig normal klingt, ist es nicht. Noch 2013 hatte sich der Kriminologe Christian Pfeiffer derart mit der katholischen Bischofskonferenz zerstritten, dass er deren Missbrauchsstudie auf einmal nicht mehr leitete. Die Kirche entzog ihm das Vertrauen. Er wiederum hatte zuvor der Kirche das Vertrauen entzogen, denn man hatte ihm vorschreiben wollen, auf welche Weise er forschen sollte: an kirchlich ausgewählten Akten und bereits »zusammengefasstem« Material.

Ganz anders verlief die Recherche nun in Limburg. Siebzig Expertinnen und Experten analysierten vom September 2019 an den Umgang des Bistums mit Fällen sexualisierter Gewalt in der Kirche in den zurückliegenden Jahrzehnten. Dass dabei schreckliche Dinge herauskamen, kann niemand

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