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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2020
Erbsünde Rassismus
Schwarze Befreiungstheologie von der Sklaverei bis zur Ermordung George Floyds
Der Inhalt:

Ökonom für die Menschen

von Viola Rüdele vom 24.06.2020
Aufgefallen: Der Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen hat die Armutsforschung revolutioniert – nun erhält er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
»Armut und Unfreiheit hängen zusammen«, sagt der Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen (Foto: PA/acific Press Agency/Subhashis Basu)
»Armut und Unfreiheit hängen zusammen«, sagt der Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen (Foto: PA/acific Press Agency/Subhashis Basu)

Bei der Forschung muss die Datenbasis stimmen, das ist Amartya Sen wichtig. Dafür setzt sich der indische Wirtschaftsprofessor auch selbst aufs Rad. So fuhr er einmal durch Bengalen und wog Babys – um seine These, männliche Babys würden besser versorgt als weibliche, mit Zahlen zu belegen.

Der Zusammenhang von Freiheit, Gerechtigkeit und Armut ist Sens Lebensthema. Neben Wirtschaftswissenschaften studierte er auch Philosophie an der Universität in Kalkutta. Armut zu bekämpfen bedeutet für ihn nicht nur, Einkommen zu vermehren, sondern vor allem die Freiheit der Menschen zu sichern – eine Lehre aus frühester Kindheit.

Sen wird 1933 in Westbengalen geboren, »auf dem Campus« von Shantiniketan, wie er selbst sagt. Sein Vater ist Chemieprofessor, seine Mutter Tänzerin. Er wächst in politisch unruhigen Zeiten auf. Besonders die Hungersnot 1943, bei der Schätzungen zufolge bis zu vier Millionen Menschen an Hunger starben, prägt Sen. 1947 erlebt er zudem die gewaltsame Teilung Indiens nach jahrelanger Kolonialherrschaft. »Meine kindliche Seele war überwältigt von der schockierenden Erkenntnis, dass wirtschaftliche Armut und totale Unfreiheit aufs Engste zusammenhängen«, schreibt Sen.

In seinem Buch »Ökonomie für den Menschen« zeigt er später, dass unfreie Arbeiter nicht produktiv sind. Nur wenn sich alle Menschen frei verwirklichen können, gibt es gesellschaftlichen Wohlstand, so seine These. Für die UN entwickelt Sen einen Wohlstandsindikator, der neben dem Bruttoinlandsprodukt auch Faktoren wie Bildung, Geschlechtergerechtigkeit und die Situation von Familien berücksichtigt.

Die Zeitung Die Welt nennt Sen in einer Reihe mit Adam Sm

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