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Wem geben Sie Ihre Stimme?

Am 24. September ist Bundestagswahl. Zahlreichen Persönlichkeiten haben wir drei Fragen zur Wahl gestellt. Heute antworten Christian Weisner von »Wir sind Kirche«, die Journalistin und Feministin Antje Schrupp und der Agrarwissenschaftler Felix zu Löwenstein
Wem geben Sie Ihre Stimme? Christian Weisner (linkes Bild) von »Wir sind Kirche«, die Journalistin Antje Schrupp und der Agrarwissenschaftler Felix zu Löwenstein antworten (Foto: pa/dpa/Armin Weigel; www.antjeschrupp.de; pa/dpa/Daniel Karmann)
Wem geben Sie Ihre Stimme? Christian Weisner (linkes Bild) von »Wir sind Kirche«, die Journalistin Antje Schrupp und der Agrarwissenschaftler Felix zu Löwenstein antworten (Foto: pa/dpa/Armin Weigel; www.antjeschrupp.de; pa/dpa/Daniel Karmann)

Christian Weisner: »Wählen gehen!«

Publik-Forum.de: Herr Weisner, wie wichtig ist Ihnen die Bundestagswahl?

Christian Weisner: Die Bundestagswahl sehe ich als Grundentscheidung für die politische Linie für unser Land. Weniger beachtet, aber meines Erachtens genauso wichtig sind die Europawahl wie auch die Kommunalwahlen, da beide ebenfalls sehr direkte Auswirkungen auf unsere konkreten Lebensverhältnisse haben.

Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?

Weisner: In der Umwelt- und Sozialenzyklika Laudato Si‘ hat Papst Franziskus die Komplexität und die inneren Zusammenhänge der Probleme sehr gut beschrieben, die alle im Verbund angegangen werden müssten. Politisch halte ich das Auseinanderdriften der Gesellschaft für sehr gefährlich, weil es die Einigung auf ein gemeinsames Handeln sehr erschwert.

Verraten Sie uns, wem Sie Ihre Stimme geben?

Weisner: Nein, aber ich möchte sehr empfehlen, sich nicht von Wahlkampfschlagworten emotionalisieren zu lassen, sondern sich genau die Programme (zum Beispiel mit dem Wahl-O-Mat.de) und noch mehr die zu wählenden Abgeordneten aller Parteien, die sich zur Demokratie bekennen, anzuschauen. Und dann wählen gehen! Und auch nach der Wahl sich engagieren und den Kontakt mit den Abgeordneten halten!

Antje Schrupp: »Die AfD klein halten«

Publik-Forum.de: Frau Schrupp, wie wichtig nehmen Sie die Bundestagswahl?

Antje Schrupp: Sehr wichtig, weil mit der AfD eine rechtspopulistische Partei gute Chancen hat, in den Bundestag einzuziehen, was ich für sehr, sehr gefährlich halte. Gar nicht mal wegen der AfD selber, die ja größtenteils nur den ohnehin so denkenden Teil der Bevölkerung mobilisiert, sondern weil sich die anderen Parteien leider von der AfD vor sich hertreiben lassen und deren Agenda übernehmen.Und das eben umso mehr, je stärker die AfD ist. In allen Parteien, sogar bei den Grünen und der Linken, sind rechtspopulistische, rassistische und nationalistische Töne in letzter Zeit stärker geworden. Deshalb halte ich es für die oberste Priorität, den Stimmenanteil der AfD im Bundestag so klein wie möglich zu halten.

Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?

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Schrupp: Ich hoffe, dass wir wieder eine positive Vision von einer freiheitlichen, sozial gerechten und pluralistischen Gesellschaft entwickeln können. Dazu gehören für mich Initiativen wie mehr Diversität in gesellschaftichen Führungspositionen, wirtschaftspolitische Neuentwürfe wie ein bedingungsloses Grundeinkommen und mehr commons- und subsistenzbasierte Ökonomien, vor allem eine größere Aufmerksamkeit für die Herausforderungen in Bezug auf Care und Fürsorgearbeit. Aber bei den Wahlen spielen diese Themen überhaupt keine Rolle, keine Partei hat sie im Repertoire, wie man an den Wahlplakaten gut sehen kann. Da geht es inhaltlich eigentlich nur um Banalitäten oder olle Kamellen. Das Engagement für positive Visionen von Gesellschaft muss, glaube ich, anderswo stattfinden als bei Wahlen, vielleicht sogar überhaupt anderswo als in der Parteipolitik oder in Parlamenten.

Wem geben Sie Ihre Stimme?

Schrupp: Da ich mit meiner Wahlbeteiligung hauptsächlich bezwecken will, den relativen Anteil der AfD niedrig zu halten, muss ich eine der »Big Ugly Five«-Parteien wählen, die voraussichtlich in den Bundestag kommen, also CDU, FDP, SPD, Grüne oder Linke. Stimmen für Parteien, die unter fünf Prozent bleiben, wirken sich diesbezüglich ja nicht aus. Inhaltlich bin ich allerdings mit keiner dieser Parteien einverstanden. Von daher könnte ich auch würfeln. Momentan tendiere ich zu Bündnis90/Die Grünen, weil ich mir einbilde, sie seien vielleicht nicht ganz so schlimm wie die anderen. Obwohl ich mir angesichts der schlimmen Regierungspolitik in Hessen eigentlich vorgenommen hatte, sie nicht mehr zu wählen.

Felix zu Löwenstein: »Mein Thema ist der Klimawandel«

Publik-Forum.de: Herr zu Löwenstein, wie wichtig nehmen Sie diese Bundestagswahl?

Felix zu Löwenstein: Weltweit sind Kräfte auf dem Vormarsch, die aus ihrer Verachtung der Demokratie keinen Hehl machen. Die keinen Respekt vor dem Ringen, dem Aushandeln, den Kompromissen haben, die nötig sind, um zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen. Die ihre Partikularmeinung zum absoluten Maßstab erklären und bereit sind, sich eigene Fakten zu schaffen, um das zu begründen. Es wäre unentschuldbar, dem nicht politisches Engagement und die Bereitschaft, demokratische Parteien zu wählen, entgegenzusetzen.

Was soll in Deutschland anders werden?

Zu Löwenstein: Als eine der größten Volkswirtschaften der Welt hat unser Wirtschaften enorme Auswirkungen auf dem gesamten Globus: durch unseren Ressourcenverbrauch, durch unser Auftreten auf den Märkten der Welt und durch unsere Nachfrage nach Produkten, die andere herstellen. Das stellt uns in eine Verantwortung, der wir nicht ausreichend gerecht werden. Wir müssen durch eigene Standardsetzung und durch Regeln in Handelsbeziehungen dazu beitragen, dass nicht diejenigen die größten wirtschaftlichen Chancen haben, die einen großen Teil der Produktionskosten der Allgemeinheit, sozial Schwachen und künftigen Generationen aufbürden.

Wem geben Sie Ihre Stimme?

Zu Löwenstein: Oft fragen mich junge Leute, die erleben, dass ich politisch engagiert bin, wen zu wählen ich ihnen rate. Ich weise dann darauf hin, dass es völlig ausgeschlossen ist, eine Partei zu wählen, mit der man in allem übereinstimmt. Die müsste man schon selber gründen, und mit der Übereinstimmung wäre es wohl schon vorbei, wenn man die ersten Mitglieder hat. Deshalb bleibt nur übrig zu klären: Welches sind bei dieser Wahl die Themen, die mir besonders am Herzen liegen und wer stimmt in Bezug auf diese konkreten Themen am ehesten mit meinen Vorstellungen überein? Mein Thema ist der Umgang mit den natürlichen Ressourcen, deren nachhaltige Nutzung über die Zukunftschancen der nach uns kommenden Generationen bestimmen wird. Vor allem denke ich da an den Klimawandel.

Kommentare
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Ludger Harhues
16.09.201713:10
Auch ich bin der Meinung das Wählen nicht nur eine Freiheit, sondern auch eine demokratische Pflicht ist. Aktuell halte ich es auch für nicht sinnvoll eine Partei zu wälen, welche unter 5% bleibt, da damit indirekt nur die AFD unterstützt wird. Damit bleiben für mich als Christ der ich den Auftrag habe an Gottes Schöpfung mitzuarbeiten nur 2 Parteien um eine neoliberale Wirtschaftspolitik zu verhindern.
Georg Lechner
16.09.201709:21
Die Verachtung der Demokratie, von der Felix von Löwenstein spricht, hat leider bei den sogenannten Parteien der Mitte schlechte Tradition. Wenn österreichische Minister (wie jüngst in Tallinn) Versprechen abgeben, deren Inhalte nicht durch Parlamentsbeschlüsse gedeckt (aber politisch und finanziell weitreichend) sind, dann ist das kein Kavaliersdelikt. Entweder werden die Versprechen gebrochen oder das Parlament zur nachträglichen Absegnung vergewaltigt.
Herbert Kleiner
16.09.201703:29
Herr Weisner: richtig
Frau Schrupp: hat sich nicht richtig und gründlich informiert!
Herr zu Löwenstein: Wählt er nun grün oder links? Frage an ihn: Hält er die Grünen für eine ökologische Partei?
Bärbel Fischer
15.09.201719:42
Christian Weiser empfiehlt, den Wahl-O-Mat zu nutzen. Ich habe aber festgestellt, dass der WOM keine Fragen zur Familienpolitik anbietet.

Diskriminierung der Eltern im Rentenrecht – kein Thema!
Diskriminierung junger Eltern und Mehr-Kind-Eltern beim Elterngeld - kein Thema!
Bevormundung statt Wahlfreiheit bei der Kindererziehung – kein Thema!
Für uns Eltern aber sind diese Fragen von ausschlaggebender Bedeutung. Darum müssen wir uns mühsam durch alle Parteiprogramme quälen, um spärliche Antworten zu bekommen.

Auch die TV-Talks sparen das Thema aus, so als sei Familienpolitik PIPIFAX. Welche Partei setzt sich z. B. für ein Wahlrecht ab Geburt ein, damit junge Staatsbürger über ihre Eltern mitentscheiden können? Wir leben bereits in einer Gerontokratie, wo die Menschen über 50 das Sagen haben. Wer vertritt die Interessen der Jugend?

Heute ist bereits jedes 5. Kind im Lande armutsgefährdet. Arme Kinder stammen aber aus strukturell arm gemachten Elternhäusern.