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Wem geben Sie Ihre Stimme?

Am 24. September ist Bundestagswahl. Zahlreichen Persönlichkeiten haben wir drei Fragen zu dieser Wahl gestellt. Bis zum 23. September antworten sie auf Publik-Forum.de. Heute: der Jesuit Klaus Mertes, die Theologin Jacqueline Straub und der Historiker Michael Wolffsohn
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Klaus Mertes, Jacqueline Straub, Michael Wolffsohn: Wem geben sie ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2017? (Fotos: pa/dpa/Julian Stratenschulte; Meli Straub/www.meli-photodesign.de; pa/dpa/Susanne Jahrreiss)
Klaus Mertes, Jacqueline Straub, Michael Wolffsohn: Wem geben sie ihre Stimme bei der Bundestagswahl 2017? (Fotos: pa/dpa/Julian Stratenschulte; Meli Straub/www.meli-photodesign.de; pa/dpa/Susanne Jahrreiss)

Klaus Mertes: »Ich wähle Herz-Jesu-sozialistisch«

Publik-Forum.de: Herr Mertes, wie wichtig nehmen Sie diese Bundestagswahl?

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Klaus Mertes: Ich nehme sie sehr wichtig. Die Verachtung der Wahl, die in westlichen Gesellschaften um sich greift, halte ich für arrogant und selbstzerstörerisch. In anderen Ländern gehen Menschen das Risiko ein, sich erschießen zu lassen, wenn sie zur Wahl gehen oder freie Wahlen fordern. Das mache ich mir immer klar. Und dann ist es natürlich auch so, dass es bei dieser Bundestagswahl darum, geht, Position zu beziehen zu den großen Fragen, die heute anstehen.

Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?

Mertes: Die größte gesellschaftliche Herausforderung, die ich sehe, ist die Migrationspolitik. Da brauchen wir einen Wandel, auch im gesamtgesellschaftlichen Bewusstsein. Ähnliches gilt für die Zukunft der europäischen Demokratien, die gegen die Verführungsrhetorik der Autoritären neu durchdacht und bejaht werden müssen. Jetzt ist dran, auch mental aus der Wohlfühl-Bundesrepublik der letzten 25 Jahre auszusteigen. Sie existiert ohnehin nicht mehr.

Wem geben Sie Ihre Stimme?

Mertes: Ich wähle Herz-Jesu-sozialistisch. Das kann vom sozialpolitischen Flügel der CDU über die sozialdemokratischen bis zu nicht-autoritären linken Parteien reichen. Ich finde jedenfalls, dass das Christentum politisch nicht anders zu denken ist als sozial, also von der Gerechtigkeitsfrage her. Das Wesentliche über den Zusammenhang von Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung steht in der päpstlichen Enzyklika »Laudato Si«. Deshalb steht für mich die Partei im Vordergrund, die eine überzeugende Antwort auf die Gerechtigkeitsfrage hat.

Jacqueline Straub: »Menschen am Existenzminimum stärken«

Publik-Forum.de: Frau Straub, wie wichtig nehmen Sie die Bundestagswahl?

Jacqueline Straub: Da ich seit einiger Zeit in der Schweiz lebe, nehme ich die Diskussionen über die Bundestagswahl eigentlich nur über Facebook und die Zeitungen war. Ich spüre, dass viele bemüht sind, die Menschen, vor allem die junge Generation, zur Wahl zur motivieren. Im Gespräch mit Freunden aus Deutschland spüre ich aber, dass viele enttäuscht sind von den Politikern und nicht mehr wirklich viel Vertrauen in Berlin haben.

Was soll in Deutschland anders werden?

Straub: Ich hoffe, dass nicht immer von »Politikverdrossenheit« der jungen Generation gesprochen wird – denn zum einen sind viele in Parteien engagiert, zum anderen interessieren sich umso mehr für politische Themen in unserer Gesellschaft. Viele wurden enttäuscht von den Politikern – auch ich. Darum wünsche ich mir, dass die Politiker zu ihrem Wort stehen und wirklich im Sinne des Volkes handeln. Deutschland geht es an sich gut – dennoch gibt es sehr viele Menschen, die am Existenzminimum leben. Diese müssen gestärkt werden! Ich wünsche mir, dass jeder einzelne in Deutschland Lebende spürt, dass er oder sie wichtig ist. Dazu zählt aber auch, dass die Beiträge, zum Beispiel für Hartz-IV-Empänger, nicht durch Sanktionen des Jobcenters immer wieder gekürzt werden.

Wem geben Sie Ihre Stimme?

Straub: Ich finde es wichtig, eine Stimme abzugeben – welche Partei meine Stimme erhalten wird, kann ich aber noch nicht genau sagen. Ich persönlich glaube nicht, dass die Kampagne #80Prozent klappen wird. Aber ich finde es klasse, dass persönlicher Einsatz gezeigt wurde, um mindestens 80 Prozent aller Wahlberechtigten zur Wahl zu motivieren.

Michael Wolffsohn: »Ich hoffe auf eine von der Union geführte Koalition«

Publik-Forum.de: Herr Wolffsohn, wie wichtig nehmen Sie die Bundestagswahl?

Michael Wolffsohn: Ich nehme JEDE Wahl wichtig, denn demokratische Politik bedeutet »Vertrauen auf Zeit«. Wir alle (hoffentlich viele Wähler) geben oder entziehen bestimmten Parteien und Personen unser Vertrauen für eine bestimmte Zeit. Meckern ohne mitzumachen geht nicht. Aber über das Wählen hinaus sollte sich jeder in den ihm/ihr wichtigen Bereichen einbringen, denn Demokratie, also Volksherrschaft, ohne Volk geht nicht.

Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?

Wolffsohn: Die Liste wäre zu lang. Kein Staat ist das Paradies. Und auf Erden gibt es das Paradies nicht. (Im Jenseits?) Trotz vieler Defizite ist die Bundesrepublik Deutschland das beste Deutschland, das es je gab. Weil die Demokratie so fest von den meisten Bundesbürgern verinnerlicht wurde, ist mir nicht bang um dieses Deutschland. Um viele andere Staaten sehr wohl. Aber »am deutschen Wesen« sollen die nicht genesen. Sehr wohl am eigenen. Allerdings ist mir unser Land intellektuell viel zu konform geworden. Zu wenig echte Kreativität, dafür Beckmessertum. Möchtegern-und-kann-nicht-wirklich-Intellektualität herrscht vor. Mehr Luft als Sahne.

Wem geben Sie Ihre Stimme?

Wolffsohn: Haben wir kein Wahlgeheimnis mehr? Nur so viel: Ich splitte, wie so oft, und wähle dabei zwei der drei früh-und-immer-noch-bundesdeutschen Parteien in der Hoffnung, dass es wieder eine von der Union geführte Koalition gibt. Nicht vergessen: Eine politische Wahl ist keine Liebesheirat und erst recht nicht »bis dass der Tod uns scheide«.

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Personalaudioinformationstext:   Klaus Mertes, geboren 1954, ist Jesuit und Lehrer. Er leitet das Kolleg St. Blasien im Schwarzwald. Im Jahr 2010 brachte er als Rektor des Jesuitengymnasiums Canisius-Kolleg in Berlin die Aufdeckung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche ins Rollen.
Jacqueline Straub, geboren 1992, hat in Freiburg und Luzern Theologie studiert. Sie ist Journalistin, Referentin und Buchautorin. Bei Publik-Forum erschien das Buch »Jung, katholisch, weiblich. Weshalb ich Priesterin werden will«.
Michael Wolffsohn, geboren 1947 in Tel Aviv, ist Historiker und Publizist. Von 1981 bis 2012 war er Professor für Neuere Geschichte an der Universität der Bundeswehr in München.
Schlagwort: Bundestagswahl
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