Wem geben Sie Ihre Stimme?
Christian Weisner: »Wählen gehen!«
Publik-Forum.de: Herr Weisner, wie wichtig ist Ihnen die Bundestagswahl?
Christian Weisner: Die Bundestagswahl sehe ich als Grundentscheidung für die politische Linie für unser Land. Weniger beachtet, aber meines Erachtens genauso wichtig sind die Europawahl wie auch die Kommunalwahlen, da beide ebenfalls sehr direkte Auswirkungen auf unsere konkreten Lebensverhältnisse haben.
Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?
Weisner: In der Umwelt- und Sozialenzyklika Laudato Si‘ hat Papst Franziskus die Komplexität und die inneren Zusammenhänge der Probleme sehr gut beschrieben, die alle im Verbund angegangen werden müssten. Politisch halte ich das Auseinanderdriften der Gesellschaft für sehr gefährlich, weil es die Einigung auf ein gemeinsames Handeln sehr erschwert.
Verraten Sie uns, wem Sie Ihre Stimme geben?
Weisner: Nein, aber ich möchte sehr empfehlen, sich nicht von Wahlkampfschlagworten emotionalisieren zu lassen, sondern sich genau die Programme (zum Beispiel mit dem Wahl-O-Mat.de) und noch mehr die zu wählenden Abgeordneten aller Parteien, die sich zur Demokratie bekennen, anzuschauen. Und dann wählen gehen! Und auch nach der Wahl sich engagieren und den Kontakt mit den Abgeordneten halten!
Antje Schrupp: »Die AfD klein halten«
Publik-Forum.de: Frau Schrupp, wie wichtig nehmen Sie die Bundestagswahl?
Antje Schrupp: Sehr wichtig, weil mit der AfD eine rechtspopulistische Partei gute Chancen hat, in den Bundestag einzuziehen, was ich für sehr, sehr gefährlich halte. Gar nicht mal wegen der AfD selber, die ja größtenteils nur den ohnehin so denkenden Teil der Bevölkerung mobilisiert, sondern weil sich die anderen Parteien leider von der AfD vor sich hertreiben lassen und deren Agenda übernehmen.Und das eben umso mehr, je stärker die AfD ist. In allen Parteien, sogar bei den Grünen und der Linken, sind rechtspopulistische, rassistische und nationalistische Töne in letzter Zeit stärker geworden. Deshalb halte ich es für die oberste Priorität, den Stimmenanteil der AfD im Bundestag so klein wie möglich zu halten.
Was soll in Deutschland anders werden? Worauf hoffen Sie?
Schrupp: Ich hoffe, dass wir wieder eine positive Vision von einer freiheitlichen, sozial gerechten und pluralistischen Gesellschaft entwickeln können. Dazu gehören für mich Initiativen wie mehr Diversität in gesellschaftichen Führungspositionen, wirtschaftspolitische Neuentwürfe wie ein bedingungsloses Grundeinkommen und mehr commons- und subsistenzbasierte Ökonomien, vor allem eine größere Aufmerksamkeit für die Herausforderungen in Bezug auf Care und Fürsorgearbeit. Aber bei den Wahlen spielen diese Themen überhaupt keine Rolle, keine Partei hat sie im Repertoire, wie man an den Wahlplakaten gut sehen kann. Da geht es inhaltlich eigentlich nur um Banalitäten oder olle Kamellen. Das Engagement für positive Visionen von Gesellschaft muss, glaube ich, anderswo stattfinden als bei Wahlen, vielleicht sogar überhaupt anderswo als in der Parteipolitik oder in Parlamenten.
Wem geben Sie Ihre Stimme?
Schrupp: Da ich mit meiner Wahlbeteiligung hauptsächlich bezwecken will, den relativen Anteil der AfD niedrig zu halten, muss ich eine der »Big Ugly Five«-Parteien wählen, die voraussichtlich in den Bundestag kommen, also CDU, FDP, SPD, Grüne oder Linke. Stimmen für Parteien, die unter fünf Prozent bleiben, wirken sich diesbezüglich ja nicht aus. Inhaltlich bin ich allerdings mit keiner dieser Parteien einverstanden. Von daher könnte ich auch würfeln. Momentan tendiere ich zu Bündnis90/Die Grünen, weil ich mir einbilde, sie seien vielleicht nicht ganz so schlimm wie die anderen. Obwohl ich mir angesichts der schlimmen Regierungspolitik in Hessen eigentlich vorgenommen hatte, sie nicht mehr zu wählen.
Felix zu Löwenstein: »Mein Thema ist der Klimawandel«
Publik-Forum.de: Herr zu Löwenstein, wie wichtig nehmen Sie diese Bundestagswahl?
Felix zu Löwenstein: Weltweit sind Kräfte auf dem Vormarsch, die aus ihrer Verachtung der Demokratie keinen Hehl machen. Die keinen Respekt vor dem Ringen, dem Aushandeln, den Kompromissen haben, die nötig sind, um zu gemeinsamen Entscheidungen zu kommen. Die ihre Partikularmeinung zum absoluten Maßstab erklären und bereit sind, sich eigene Fakten zu schaffen, um das zu begründen. Es wäre unentschuldbar, dem nicht politisches Engagement und die Bereitschaft, demokratische Parteien zu wählen, entgegenzusetzen.
Was soll in Deutschland anders werden?
Zu Löwenstein: Als eine der größten Volkswirtschaften der Welt hat unser Wirtschaften enorme Auswirkungen auf dem gesamten Globus: durch unseren Ressourcenverbrauch, durch unser Auftreten auf den Märkten der Welt und durch unsere Nachfrage nach Produkten, die andere herstellen. Das stellt uns in eine Verantwortung, der wir nicht ausreichend gerecht werden. Wir müssen durch eigene Standardsetzung und durch Regeln in Handelsbeziehungen dazu beitragen, dass nicht diejenigen die größten wirtschaftlichen Chancen haben, die einen großen Teil der Produktionskosten der Allgemeinheit, sozial Schwachen und künftigen Generationen aufbürden.
Wem geben Sie Ihre Stimme?
Zu Löwenstein: Oft fragen mich junge Leute, die erleben, dass ich politisch engagiert bin, wen zu wählen ich ihnen rate. Ich weise dann darauf hin, dass es völlig ausgeschlossen ist, eine Partei zu wählen, mit der man in allem übereinstimmt. Die müsste man schon selber gründen, und mit der Übereinstimmung wäre es wohl schon vorbei, wenn man die ersten Mitglieder hat. Deshalb bleibt nur übrig zu klären: Welches sind bei dieser Wahl die Themen, die mir besonders am Herzen liegen und wer stimmt in Bezug auf diese konkreten Themen am ehesten mit meinen Vorstellungen überein? Mein Thema ist der Umgang mit den natürlichen Ressourcen, deren nachhaltige Nutzung über die Zukunftschancen der nach uns kommenden Generationen bestimmen wird. Vor allem denke ich da an den Klimawandel.
