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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2020
Zukünfte gesucht!
Wohin sich Politik, Kirchen und Gesellschaft entwickeln werden
Der Inhalt:

Not und Zauber der Reform

von Michael Schrom vom 29.01.2020
In Frankfurt am Main beginnt der Synodale Weg: Es geht um mehr als um innerkatholische Querelen. Jetzt ist Mut gefragt
Rein in die Kirche oder raus aus der Kirche? Der Synodale Weg könnte den Frust vieler Katholiken verringern (Foto: photocase.de/STM)
Rein in die Kirche oder raus aus der Kirche? Der Synodale Weg könnte den Frust vieler Katholiken verringern (Foto: photocase.de/STM)

Reformieren ist ein schönes Wort. Es gibt einem das Gefühl, Teil einer moralischen Avantgarde zu sein, die mit kritischem Blick durch alte Gemäuer geht, nicht mehr Zeitgemäßes entfernt, frischen Wind hineinlässt, dabei Gutes bewahrt und neues Leben schafft. Reformiert werden tut dagegen meistens weh. Man muss umdenken, Gewohnheiten ändern, Rollen aufgeben. Fromm formuliert: Umkehr üben. Deshalb gibt es Widerstände. Je mehr es ans Eingemachte geht, desto höher ist das Risiko, dass es zu Spaltungen kommt. Die Linkspartei gäbe es nicht ohne die Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Bundesregierung unter Kanzler Schröder. Die Piusbrüder nicht ohne das katholische Bekenntnis zur Religionsfreiheit beim Zweiten Vatikanischen Konzil. Und »katholisch« wäre heute kein Konfessionsbegriff ohne die Reformen Martin Luthers. Immer gilt: Reformen können andere Folgen zeitigen als ursprünglich beabsichtigt.

Damit Reformprozesse überhaupt in Gang kommen, braucht es Frust über die aktuellen Zustände, eine Anklageschrift, die den Problemstau benennt, das Misstrauen gegenüber den Herrschenden, die nötige gesellschaftliche Aufmerksamkeit und die Gunst der Stunde. Dazu eine kräftige Prise Pathos: »Wie notwendig die Reform der Kirche ist, weiß alle Welt, weiß der Klerus, weiß das ganze Christenvolk. Der Himmel, die Elemente, das Blut der täglich zugrunde gehenden Seelen, ja selbst die Steine rufen nach Reform.« Mit diesen Worten forderte der Prediger Matthias Röder im 15. Jahrhundert ein Konzil. Darin sah er die letzte Chance, die heillos zwischen Papst und Gegenpapst zerstrittene Kirche innerlich wie äußerlich zu erneuern. Tatsächlich brachten die Reformkonzilien von Konstanz (1414-1418) und Basel (1431-1449) die Kirche weiter. Gegen die monarchische

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