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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2020
Arbeiten und Leben nach Corona
Was wir aus der Krise lernen können
Der Inhalt:

Corona und der Geist der Freiheit

von Michael Schrom vom 17.05.2020
Lockdown oder Lockerung – Welche Freiheit brauchen wir? Welche Freiheit ist human? Und was hat die Theologie in der emotionalen Debatte zu sagen?
Der Mensch ist frei. Aber welche Freiheit ist menschlich? (Foto: Jakub Dvorak/Alamy Stock Photo)
Der Mensch ist frei. Aber welche Freiheit ist menschlich? (Foto: Jakub Dvorak/Alamy Stock Photo)

Freiheit! Endlich wieder Freiheit! Nach Wochen der Quarantäne und der sozialen Isolation wachsen die Sehnsucht und der Ruf nach Freiheit: die Freiheit, sich mit anderen zu treffen, ein Fest zu feiern, zu reisen, einen Gottesdienst, ein Konzert, ein Museum zu besuchen. Selbst Kinder entdecken die Schule neu als Ort der Freiheit vom Homeschooling ihrer Eltern. Die meisten Menschen haben die Einschränkungen der gewohnten Freiheiten in den vergangenen Wochen akzeptiert und sich an die Regeln gehalten. Nicht vornehmlich aus Angst oder Zwang, sondern »freiwillig«, aus Einsicht um das höhere Ziel und aus Solidarität mit den besonders Gefährdeten. Dafür waren sie bereit, Opfer zu bringen. Dies könnte man als ein Zeichen dafür werten, dass es so etwas wie Freiheit tatsächlich gibt, und dass sie sich gerade dann zeigt, wenn der Mensch nicht nur den eigenen Trieben, Wünschen und Impulsen folgt.

Freiheit ist einer der politisch, philosophisch und religiös am meisten umkämpften Begriffe. Das hat sie mit dem Gottesbegriff gemeinsam. Der Philosoph Volker Gerhardt schreibt: »Gott und Freiheit haben die philosophisch durchaus ergiebige Gemeinsamkeit, dass sie immer wieder ein und derselben Frage ausgesetzt sind: eben der, ob es sie überhaupt gibt.«

Ungeachtet dieser Frage haben die meisten Menschen doch ein gewisses Alltagsverständnis davon, was Freiheit ist, und in der Corona-Krise prallen unterschiedliche Vorstellungen mit voller Wucht aufeinander. Dabei scheint immer wieder ein altes Missverständnis durch: Freiheit bestünde darin, möglichst frei von allen Vorgaben, Verpflichtungen und Bindungen zu sein. Nicht jedem gefällt es, sich in kollektiven Abhängigkeitsverhältnissen zu befinden, sodass sie lieber geleugnet we

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Georg Lechner
19.05.202014:43
Leichtsinn und Profitgier, industrielle Tierhaltung und ungerechte Preise für landwirtschaftliche Produkte sind tatsächlich zu kritisieren. Nur sind diese keine Begründung für eine Renaissance des Naturrechts. Es ist eher zu fragen, wo die Defizite begründet sind, dass es da erhebliche Missstände gibt. Fehlen Gesetze oder fehlt ihre Durchsetzung aufgrund faktischer Machtstrukturen (wie es die Infektionswellen in niedersächsischen Schlachthöfen nahelegt)?