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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2020
Arbeiten und Leben nach Corona
Was wir aus der Krise lernen können
Der Inhalt:

Corona und die klerikale Paranoia

von Anne Strotmann vom 12.05.2020
Eine Gruppe reaktionärer Katholiken um Erzbischof Vigano und Kurienkardinal Müller wittern eine Corona-Verschwörung. Kopfschütteln reicht da nicht mehr.
Auf seltsamen Wegen durch die Krise (Illustration: pa/Paolo Calleri)
Auf seltsamen Wegen durch die Krise (Illustration: pa/Paolo Calleri)

Nun haben sich auch Katholiken in die unheilige Allianz derer eingereiht, die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie als »Vorwand« für finstere Machenschaften ablehnen. Der »Aufruf für die Kirche und für die Welt an Katholiken und alle Menschen guten Willens« (Seite 41) wurde initiiert von Ex-Vatikandiplomat Carlo Maria Vigano, mitunterzeichnet von Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller. Darin ist zu lesen, die »christliche Zivilisation« solle »unter dem Vorwand eines Virus ausgelöscht werden, um eine verabscheuungswürdige technokratische Tyrannei aufzurichten«. Konkreter wird es nicht und so kann man sich damit nicht auseinandersetzen, sondern allenfalls in Paranoia verfallen. Auch theologisch hat das Dokument nichts zu bieten, dafür Kriegsrhetorik gegen diffuse Feinde: »Entweder mit Christus oder gegen Christus!« Kein Wort des Mitleids für die, die unter dem Virus leiden, kein Wort der Würdigung für die vielen, die sich für die Eindämmung der Pandemie einsetzen, die einander beistehen und füreinander sorgen. Vom Reich Gottes ist darin nichts zu spüren. Es bleibt nur das Gefühl, dass die Welt des Teufels ist. Derart klerikal-katholische Paranoia flankiert auch den tragischen Niedergang von Papst Benedikt XVI., der die Bedrohung (Corona unabhängig) in einer »weltweiten Diktatur von scheinbar humanistischen Ideologien« sieht. Ist das die Geisteshaltung von Klerikern, die sich nicht damit abfinden können, dass sie ihre »Wahrheiten« rechtfertigen müssen und dass Gesellschaften pluraler funktionieren, als ihre Erfahrungen in der katholischen Männerhierarchie es vermuten lassen? Eigentlich könnte man nur mitleidig den Kopf schütteln – würde der Aufruf nicht im Namen Jesu eine lebensbedrohliche Stimmung befeuern. Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich von dem Aufruf distanziert. Das ist das Mindeste, was ein Katholik dazu sagen muss.

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