Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:
Artikel vorlesen lassen

Mythos Familie

von Michael Schrom vom 11.09.2015
Aus Publik-Forum 17/2015: Bischöfe schwärmen für sie, Jesus hatte nichts für sie übrig. Die heilige Familie ist ein romantisches Idyll. Diese Erkenntnis entlastet. Und sie bedeutet: Ein Christ muss kein Moralapostel sein
Ach Gott, die Familie! Muss man da immer hüsch im Rahmen bleiben? (Foto: maron/Fotolia)
Ach Gott, die Familie! Muss man da immer hüsch im Rahmen bleiben? (Foto: maron/Fotolia)

Es ist ein paradoxer Befund: Obwohl die Scheidungsrate bei vierzig Prozent liegt, die durchschnittliche Lebensdauer einer Ehe immer weiter sinkt, die Zahl der Alleinerziehenden und Patchwork-Familien ständig steigt, zeigen sämtliche Studien der letzten Jahren, dass gerade unter jungen Leuten das Bekenntnis zu Ehe und Familie noch stärker geworden ist. Wie wichtig ihnen Geborgenheit, Verlässlichkeit und Treue sind, kann man unter anderem an den Hochzeiten beobachten, die immer aufwendiger und perfekter inszeniert werden. Selbst wenn man mit Religion und Kirche sonst nichts zu tun haben will, so wünscht man sich doch für diesen Tag eine religionsartige Inszenierung mit Segen, gerne auch von nichtreligiösen Ritenanbietern. Selbst Haushaltsgerätehersteller werben mit dem Slogan: »Wir gehören zur Familie«.

Ein ähnliches Paradox zeigt sich innerhalb der Schwulenbewegung, die einst auf ihre antibürgerlichen Wurzeln sehr stolz war. Vor einigen Wochen stritten in der »Süddeutschen Zeitung« Alexander Vogt, Banker aus Frankfurt und Bundesvorsitzender der Lesben und Schwulen in der Union, und der ehemalige Chefredakteur des Schwulenmagazins Männer, Paul Schulz, darüber, ob Deutschland eine »Ehe für alle« brauche. Vogt argumentiert, dass eine »Ehe für die allermeisten meiner homosexuellen Freunde und Freundinnen eine große symbolische Bedeutung habe« und es diskriminierend sei, dass eine eingetragene Lebenspartnerschaft nicht gleichrangig mit einer Ehe ist. Schulz hält dagegen: Er könne nicht verstehen, dass die Schwulenbewegung heute so viel Energie darauf verwende, demselben Staat, der sie einst diskriminiert und verfolgt habe, ihr sexuelles Privatleben zu offenbaren und von ihm

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Der Kommentierungszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen, daher können Sie ihn leider nicht mehr kommentieren.