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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2015
Höchste Zeit
Klimakrise: Die Politik, der Papst und die Menschheit. Worauf es jetzt ankommt
Der Inhalt:

Werkhalle Gottes adieu

von Thomas Seiterich vom 11.09.2015
Das Zentrum der Reformgemeinde Christkönig in Eschborn wird abgerissen. Stirbt damit eine sozial und politisch hoch engagierte Pfarrei?

Wir haben 1974 das Gemeindezentrum Christkönig ausführlich gemeinsam geplant. Das geschah in vielen Diskussionsrunden und Gesprächen mit der Gemeinde und ihrem damals jungen Pfarrer Heinz-Manfred Schulz«, erinnert sich der Architekt Helmut Schießer, der das Zentrum baute. »Die Pfarrei wuchs, wir waren viele junge Familien, die runde Nachkriegskirche für die nach 1945 zu gezogenen Katholiken im evangelischen Eschborn war zu klein geworden.«

Am 7. Juni starb der langjährige Eschborner Pfarrer Schulz im Alter von 82 Jahren, und nun wird das ungewöhnliche Gemeindezentrum abgerissen, in dem Schulz jahrzehntelang wirkte, bevor er die Kon sequenz aus seinen Predigten zog und zu den Ausgegrenzten und Obdachlosen ins Frankfurter Bahnhofsviertel ging.

Endzeitstimmung in einer überregional bekannten Pfarrgemeinde? Helmut Schießer, ein Pax-Christi-Mann der ersten Stunde, engagiert sich bis heute in Christkönig. »Eine Werkhalle Gottes wollten wir bauen«, erzählt Schießer, »gemäß unserem Verständnis, dass wir als Gemeinde mit unserem Tun und Beten auf vielfältige Art am Reich Gottes mitbauen – und das ist in Eschborn geglückt.« Hiervon sind Schießer und viele Menschen jeden Alters, die aktiv das Gemeindeleben in Christkönig gestalten, überzeugt.

Das Ende ist schon seit Jahren beschlossen. Der Prozess begann 2008 nach dem Amtsantritt von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst in Limburg, der 2014 nach dem Millionenskandal um sein Luxus-Palais als gesellschaftlich geächteter »Protzbischof« vom Papst seines Amtes enthoben wurde. Dem prunkfreudigen Tebartz-van Elst behagte die »Werkhalle« in Eschborn nicht. Er war kein Freund von pflegeleichtem Sichtbeton. Dass der im Obergeschoss gelegene große Gottesdienstraum eine mit grobem, strapazierfähigem Sisal-Teppichboden ausgelegte Halle war, in der die Gemeinde ihre Gottesdienste, aber auch Feste, Hochzeiten und politische Aufklärungsveranstaltungen gestaltete, war ihm zuwider. Also begann man in Limburg, die hohen Heizkosten zu kritisieren.

»Eine Million Euro hätte die energetische und bauliche Sanierung unseres Gemeindezentrums gekostet«, sagt Gerd Wild, »doch dies wollte Limburg nicht, lieber spendiert das Bistum nun vier Millionen Euro für den Neubau einer traditionellen Kirche.« Wild, der ein Künstler, Theologe und Verfechter von Christenrechten in der Kirche ist, fügt hinzu: »Jetz

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