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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2018
Angst
In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
Der Inhalt:

Gefährlicher Schlingerkurs des Papstes

von Michael Schrom vom 06.09.2018
Der Vatikan wird zum Schauplatz öffentlich ausgetragener Richtungskämpfe, der Papst mit Vorwürfen konfrontiert. Reformen verursachen oft Spaltungen. Das muss Franziskus in Kauf nehmen und jetzt Führungsstärke beweisen. Ein Kommentar von Michael Schrom
Der Papst hat viele Reformen angestoßen, aber bringt er sie auch zu Ende?  (Foto: pa/ Spaziani)
Der Papst hat viele Reformen angestoßen, aber bringt er sie auch zu Ende? (Foto: pa/ Spaziani)

Den Jüngern Christi, so formuliert es ein berühmtes Wort über die Kirche aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil, ist nichts Menschliches fremd. Anscheinend gilt das nicht nur für Trauer, Angst, Freude und Hoffnung der Menschen, die im Herzen der Kirche, vor allem ihrer Amtsträger, Widerhall finden sollen. Es gilt genauso für das Abgründige: Missgunst, Wut, Neid, Rache, Begierde, Vertuschung, Intrige …

Die Welt wird gerade Zeugin, wie der Vatikan in einer geistig-moralischen Krise zum Schauplatz öffentlich ausgetragener Richtungskämpfe wird. Ein ranghoher Bischof, Insider der Verwaltung und ehemaliger Nuntius in den Vereinigten Staaten, fordert öffentlich den Rücktritt des Papstes. Franziskus habe, so der Vorwurf, nicht nur früh von den Missbrauchsvorwürfen gegen Kardinal McCarrick gewusst, sondern auch Sanktionen, die Benedikt XVI. gegen diesen verhängt habe, rückgängig gemacht. Ist Franziskus, der »Papst der Barmherzigkeit«, in den eigenen Reihen zu »barmherzig«, wenn es um schwere Straftaten geht?

Reformer erzeugen in Übergangskrisen immer Chaos

Der Vorwurf ist ebenso heftig wie die Reaktionen darauf. Ausgerechnet erzreaktionäre Kardinäle finden es auf einmal völlig normal, dass Bischöfe den Rücktritt des Papstes fordern. Andere weisen auf die Ungereimtheiten in der pamphletartigen Anklage hin. Derweil fordert der prominente Theologe Paul Michael Zulehner die deutschen Bischöfe auf, ihre Solidarität mit Franziskus deutlicher zu bezeugen. Wie Seismografen zeugen solche Aktionen von der extremen Spannung im Epizentrum der katholischen Kirche. Dass sich Kirchenführer »zerfleischen«, ist für den Jesuiten Klaus Mertes wiederum, der den Missbrauch am Berliner Canisius-Kolleg

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