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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2021
Hinterm Horizont
Aussichten nach Corona
Der Inhalt:

Nachgefragt
Missbrauch in evangelischen Kirchen?

von Christoph Fleischmann vom 15.01.2021
Der Erziehungswissenschaftler Martin Wazlawik über die geplante Studie zur sexualisierten Gewalt

Publik-Forum: Wo liegen die Unterschiede Ihrer nun begonnenen Untersuchung im Vergleich zur MHG-Studie über sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche?

Martin Wazlawik: Ein Unterschied ist, dass die MHG-Studie sich auf Kleriker als mögliche Täter fokussiert hat; demgegenüber schauen wir uns neben geistlichem Personal und Kirchengemeinden auch zum Beispiel die Bereiche der Diakonie und der Jugendarbeit an und versuchen über Fallstudien eine Vielzahl von unterschiedlichen Orten abzudecken. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten: Auch wir versuchen in einem Teilprojekt, über die Durchsicht von Personalakten Kennzahlen zur Häufigkeit von Missbrauch zu gewinnen.

In der Studie zur katholischen Kirche ist eine sogenannte »Hellzahl« ermittelt worden; also dass nach Aktenlage 1670 Kleriker des Missbrauchs beschuldigt wurden. So etwas können wir von Ihnen auch erwarten?

Wazlawik: Auch die MHG-Studie hat eine Stichprobe ausgewertet. Wichtig ist nicht nur die absolute Zahl, sondern auch die relative von 4,4 Prozent der untersuchten Kleriker, gegen die Missbrauchsbeschuldigungen vorlagen. So eine relative Zahl werden wir auch anhand einer Stichprobe versuchen zu ermitteln.

Prominente Protestanten haben gesagt, das Thema Missbrauch habe bei ihnen nicht die gleiche Dramatik wie in der katholischen Kirche. Sehen Sie das auch so?

Wazlawik: Wir stehen am Anfang der Forschung und haben noch keine Zahlen, aber ich sehe keinen Hinweis, warum Missbrauch im evangelischen Bereich weniger häufig sein sollte, gerade wenn man auf alle Handlungsfelder in der evangelischen Kirche und Diakonie schaut.

Sie rufen Missbrauchsbetroffene auf, ihre Geschichten zu erzählen. Daneben sollen aber auch Betroffene an Ihrer Forschung beteiligt werden. Wie soll das aussehen?

Wazlawik: Im Februar wird es einen Aufruf geben: In jedem Teilprojekt und auf der Ebene des Forschungsverbundes sollen Betroffene mit einbezogen werden, mitarbeiten und kontinuierlich ihr Feedback geben können oder als Prozessbegleiter eingebunden werden und auch bei der Planung der öffentlichen Veranstaltungen und der Themenjahre mitmachen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) finanziert Ihr Forschungsprojekt m

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