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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2017
Reformation 2.0: Das wahre Erbe Martin Luthers
Der Inhalt:

»Reformation ist eine geistige Haltung«

von Michael Schrom vom 11.05.2017
In der evangelischen Kirche streiten sich Theologen und Kirchenleitung über das Reformationsjubiläum. Was ist das bleibende Erbe Luthers? Ein Interview mit dem Münchner Theologen Jörg Lauster. Die Titelgeschichte in der neuen Ausgabe von Publik-Forum
Was bleibt von Luther, 500 Jahre nach Beginn der Reformation? Blick auf ein sich mehrfach spiegelndes Lutherbild in der Ausstellung »Fundsache Luther«, die bereits 2008 im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen war (Foto: pa/Endig)
Was bleibt von Luther, 500 Jahre nach Beginn der Reformation? Blick auf ein sich mehrfach spiegelndes Lutherbild in der Ausstellung »Fundsache Luther«, die bereits 2008 im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu sehen war (Foto: pa/Endig)

Publik-Forum: In der evangelischen Kirche gibt es heftigen Streit. Die Kirchenleitung wirft den Theologen vor, sie würden das Erbe Luthers nicht in die Gegenwart übersetzen und nur auf die historischen Schattenseiten des Reformators hinweisen. Die Theologen sagen, sie ließen sich nicht vor den Karren einer millionenschweren Inszenierung spannen. Wer hat recht?

Jörg Lauster: Beide. Die Kirchenleitung hat recht, weil es ein unverzeihlicher Fehler wäre, das Reformationsjubiläum ungenutzt verstreichen zu lassen. Aber auch die Kollegen haben recht, wenn sie mit der Art und Weise, wie Luther glorifiziert wird, unzufrieden sind. Man hätte sich wünschen können, dass man stärker das kritische Potenzial der Reformation betont und die Lutherverehrung niedriger hängt. Luther war ein Mensch des 16. Jahrhunderts und lebte in einer Zeit, die mit der unseren sehr wenig gemeinsam hat.

Worin besteht denn das bleibende kritische Potenzial der Reformation?

Lauster: Man kann an der Reformation sehen, dass es im Christentum immer wieder sich selbst erneuernde, selbstkorrigierende Kräfte gibt. Das ist ein tiefer Trost. Reformation ist ein Prinzip, das im Christentum immer wirkt. Nach allem, was wir wissen, war die Kirche im 15. Jahrhundert in einem desolaten Zustand. Mag sein, dass sie im Alltag den Menschen Trost spendete, aber das offizielle Erscheinungsbild waren die Borgia-Päpste und der Ablasshandel. Das war eine Pervertierung, und nur wenige Menschen damals haben ein so feines Gespür für religiöse Verlogenheit gehabt wie Martin Luther. Diese Missstände sind durch die Reformation zum Besseren gewendet worden. Auch die katholische K

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