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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2018
Geld sauber anlegen
Wie es geht. Was es bringt. Worauf man achten muss
Der Inhalt:

Katholisch bleiben?

von Michael Schrom vom 28.09.2018
Der Missbrauchsskandal erschüttert die katholische Kirche in ihren Grundfesten – in Deutschland und in anderen Ländern. Was folgt daraus für die Gläubigen? Kann man noch in dieser Kirche bleiben? Oder sollte man jetzt austreten? Persönliche Gedanken von Michael Schrom
Wird sich die katholische Kirche weiter leeren, angesichts des Missbrauchs durch Priester, Diakone und Ordensleute? Oder kann es gelingen, nicht nur neue Kirchengebäude zu errichten, sondern die Kirche auch innerlich zu erneuern? Michael Schrom, Ressortleiter Theologie bei Publik-Forum, macht sich Gedanken über die Zukunft der Kirche (Fotos: istockphoto/tirc83; Publik-Forum)
Wird sich die katholische Kirche weiter leeren, angesichts des Missbrauchs durch Priester, Diakone und Ordensleute? Oder kann es gelingen, nicht nur neue Kirchengebäude zu errichten, sondern die Kirche auch innerlich zu erneuern? Michael Schrom, Ressortleiter Theologie bei Publik-Forum, macht sich Gedanken über die Zukunft der Kirche (Fotos: istockphoto/tirc83; Publik-Forum)

Es ist zum Kotzen. Und zum Heulen. Zum Verrücktwerden und zum Verzweifeln. Ich habe die katholische Kirche gemocht, von Kindesbeinen an. Ich schätzte ihre Kunst, die Symbolik ihrer Riten, das Temperament der aufbrausenden Orgel und die verschwebende Stille, die sie hinterließ. Schon als Kind hörte ich fasziniert die Geschichten von Jesus und las die Biografien von Heiligen, von Franziskus bis Oscar Romero.

Als Ministrant sah ich aus nächster Nähe Hochzeitspaare, die vor Glück weinten, und Trauernde, die unter Tränen ins Grab starrten, während der Pfarrer halblaut betete: Zum Paradiese mögen dich die Engel geleiten. Insgeheim hoffte ich, dass es stimmen möge. Später bewunderte ich das Mönchtum, das mit seinem Sinn für Schönheit, Form und Gastfreundschaft Kulturlandschaften prägte. Ich liebe es bis heute, wenn ich mich in ein Kloster zurückziehen kann – und es hat mich schon als junger Mann beeindruckt, dass Karmelitinnen an den Außenmauern des Konzentrationslagers Dachau ein Leben im Gebet führen und durch ihre Präsenz die Musealisierung der Gedenkstätte verhindern.

Das Versagen der Verantwortlichen

Ich fand, dass die Kirche die richtigen Fragen stellte. Ich fühlte mich wohl im Kreise jener, die nach dem Sinn des Lebens suchten, nach dem Reich Gottes Ausschau hielten und fragten, wie sie daran mitarbeiten können. Heute habe ich vor allem eine Frage: Wie konnte es passieren, dass Vertreter dieser Kirche über Jahre hinweg Menschen, die ihnen vertrauten, sexuell missbrauchten? Warum haben die Verantwortlichen systematisch weggeschaut und so den Missbrauch am Laufen gehalten? Ich frage mich, was mich noch mit einer Kirche verbindet, die diese Gewaltgeschichte jahrzehntelang

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