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Publik-Forum-Petition auf dem Weg in den Vatikan

von Thomas Seiterich 27.09.2018
Genau 22.046 Gläubige haben die von Publik-Forum gestartete Petition an Papst Franziskus »Keine Ausgrenzung am Tisch des Herrn« unterschrieben. Sie fordern deutliche Schritte für ein gemeinsames Abendmahl, darunter auch die Zulassung von evangelischen Ehepartnern zur katholischen Kommunion. Die Unterschriften wurden jetzt an den Sekretär der deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer SJ, in Fulda übergeben. Er wird sie mit nach Rom nehmen
Ein starkes Signal der Gläubigen an den Vatikan: Michael Schrom (links), bei Publik-Forum Ressortleiter Theologie und Kirchen, sowie Redakteur Thomas Seiterich (rechts) übergeben in Fulda genau 22.046 Unterschriften von Unterzeichnern der Papst-Petition »Keine Ausgrenzung am Tisch des Herrn!« an Hans Langendörfer, den Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz (Foto: KNA)
Ein starkes Signal der Gläubigen an den Vatikan: Michael Schrom (links), bei Publik-Forum Ressortleiter Theologie und Kirchen, sowie Redakteur Thomas Seiterich (rechts) übergeben in Fulda genau 22.046 Unterschriften von Unterzeichnern der Papst-Petition »Keine Ausgrenzung am Tisch des Herrn!« an Hans Langendörfer, den Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz (Foto: KNA)

Am Anfang war der Zorn. Als sich im vergangenen Juni die Glaubenskongregation im Vatikan gegen eine Zulassung von evangelischen Partnerinnen und Partnern aus konfessionsverbindenden Ehen zur Kommunion aussprach, war der Ärger im Land der Reformation groß. Der Vatikan widersprach damit einer mehrheitlich getroffenen Entscheidung der deutschen Bischöfe, die in einer Handreichung festgehalten ist. Stattdessen hielt er an der »Ausgrenzung am Tisch des Herrn« fest, so das Signal, das von dieser Entscheidung ausging. Die Protestanten laden seit Langem katholische Christen zum Abendmahl ein, umgekehrt ist das hingegen nicht der Fall. Die Entscheidung der Glaubensbehörde unter dem spanischen Jesuiten Luis Ladaria, nach vorangegangener Intervention einer kleinen Gruppe deutscher Bischöfe, stieß viele vor den Kopf.

Die Redaktion von Publik-Forum war wie viele andere darüber enttäuscht und verärgert. Wir wollten all jenen ökumenisch engagierten Christen ein Forum bieten, damit dieses wichtige, theologisch gut begründete Anliegen, nicht wieder versandet, nachdem gerade erst ein bisschen Bewegung in die Debatte kam. Deshalb starteten wir am 22. Juni die »Petition an Papst Franziskus: Keine Ausgrenzung am Tisch desHerrn!« Sie beginnt mit den Worten: »Geschätzter Papst Franziskus. Ihr Pontifikat hat uns Hoffnung gegeben auf eine Kirche, die menschlich ist... . Den Bischofskonferenzen dieser Welt bringen Sie Wertschätzung entgegen. Sie setzen darauf, dass vor Ort Menschen jene Dinge entscheiden, die vor Ort entschieden werden können und müssen. Das hat der Kirche den Geist der Inspiration neu eingehaucht.« Und dann folgen die Forderungen, die der Redaktion und vielen tausenden Gläubigen wichtig sind:

»Wir bitten Sie: Lassen Sie nicht zu, dass in einer wichtigen ökumenischen Frage ein elitärer Geist das Miteinander der Christinnen und Christen verhindert.« Denn: »Die Ökumene zwischen evangelischen und katholischen Christen lebt. Im schmerzlichen Widerspruch dazu fehlt die Gemeinschaft am Tisch des Herrn.«

Viele hundert Briefe

Als »Heilige von nebenan« seien die evangelisch-katholischen Paare »Botschafter der Ökumene. Botschafter, die in der Kommunion Stärkung erfahren.« Und weiter: »Lassen Sie die Diskussion der deutschen Bischöfe über eine entsprechende Handreichung für deren gemeinsame Teilnahme an der Eucharistie nicht umsonst gewesen sein. Dass Sie – gemeint ist Franziskus – das Dokument ablehnen, stößt viele Menschen vor den Kopf. Bitte unterstützen Sie die große Mehrheit der deutschen Bischöfe in ihrem Bemühen um mehr Ökumene!«

Kaum war die Petition veröffentlicht, fanden sich zahlreiche Erstunterzeichner: von der Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff bis zu den ehemaligen Politikern Christa Nickels, Norbert Blüm, Wolfgang Thierse und Antje Vollmer. Der Bundesvorsitzender der katholischen Jugendverbände BDKJ, Thomas Andonie, unterschrieb ebenso wie Christian Weisner vom Bundesteam der Reformbewegung Wir sind Kirche.

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Viele hundert Briefe und E-Mails gingen in der Redaktion ein, die Publik-Forum-Redakteurin Britta Baas gelesen hat. Darin schildern Frauen und Männer ihre Erfahrungen, vielfach auch ihr Leid, das aus einem unversöhnten Nebeneinander der beiden großen Kirchen rührt. Viele Briefe haben wir in den Publik-Forum-Ausgaben seit Ende Juni veröffentlicht. Wir haben gemerkt: Die Petition löst neue Debatten aus, ist Anlass für Gespräche und Begegnungen – und einen neuen Schwung für die Ökumene.

Widerspruch aus der Weltkirche

Momentan ist der Stand so: Jeder Bischof kann selbst entscheiden, ob er evangelische Partner von konfessionsverschiedenen Ehen in seinem Bistum zur Kommunion zulässt. Das Resultat ist, dass wir in Deutschland einen Flickenteppich von Bistümern haben, die mehr oder weniger Ökumene zulassen, oder eben nicht. Das macht es vor Ort den Pfarrern nicht leicht. Sie müssen es nun mit sich selbst ausmachen, wenn sie – wie das seit vielen Jahren fast stets geschieht – evangelischen Ehepartnern die Kommunion reichen. Unter Umständen verstoßen sie damit gegen die Regelung, die in ihrem Bistum gilt.

Gewiss hat es Interventionen aus der Weltkirche gegeben gegen die deutsche Handreichung für die Ökumene bei der Kommunion. Von Bischöfen aus Afrika etwa. Die seien vor Ort mit evangelischen Kirchen konfrontiert, die eher die Abwerbung von Katholiken pflegen und Konkurrenz anstatt ökumenische Freundschaft wollen, wie sie in Deutschland gewachsen ist. Deshalb gibt es keine weltkirchliche Regelung – vorerst.

Doch Deutschland ist das Land der Reformation. Die Konfessionen sind nahezu gleich groß, das ruft nach fairer Partnerschaft. Diese wird in Deutschland auch vielerorts gelebt.. Das sollte man sich nicht durch Realitäten, wie sie etwa in Nigeria vorherrschen, vermiesen lassen.

Die Petition »Keine Ausgrenzung am Tisch des Herrn!« hat sehr viel Zustimmung erfahren – mehr als 22.000 Menschen haben sie unterzeichnet – und dies bei einem komplexen, kirchlich-theologischen Sachverhalt. Etwa so viele Frauen und Männer, wie als Dauerteilnehmer zu einem Deutschen Katholikentag fahren. Das macht Mut und Hoffnung, dass sich bei diesem Thema auch der Vatikan einmal bewegt.

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