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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2016
Hoffnung für die Stadt
Theologe Jürgen Moltmann über Christsein in den kapitalistischen Metropolen
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Hoffnung für die Stadt

von Jürgen Moltmann vom 25.05.2016
Die weltweite Verstädterung ist eine Schicksalsfrage der Menschheit. Der international bekannte politische Theologe Jürgen Moltmann beleuchtet diese Frage aus religiöser Perspektive in seinem neuen Aufsatzband »Hoffen und Denken«. Die Titelgeschichte in der neuen Ausgabe von Publik-Forum
Sao Paolo in Brasilien: Weltweit wachsen die Städte, und das verändert das Zusammenleben der Menschen. Wie können die Religionen damit umgehen?  (Foto: pa)
Sao Paolo in Brasilien: Weltweit wachsen die Städte, und das verändert das Zusammenleben der Menschen. Wie können die Religionen damit umgehen? (Foto: pa)

Die sozialistische Stadt, von Stalin befohlen und von Wladiwostok bis Berlin, von Riga bis Bukarest gebaut, ist gescheitert. Die Reste der öden, menschenfeindlichen Plattenbau-Vorstädte sind noch zu besichtigen. Welches Schicksal hat die kapitalistische Stadt, mit der wir es weltweit zu tun haben? Um die kapitalistische Stadt mit ihren ungeahnten Möglichkeiten zu demokratisieren, brauchen wir Zukunftsaussichten: »Wo es keine Visionen mehr gibt, verdirbt das Volk« (Sprüche 29, 18). Denn wenn die Hoffnungen sterben, erlahmt auch der Widerstand der Bürger gegen das Unrecht und die Gewalt.

Eine dieser Visionen für die gerechte Stadt hat sich tief in- das Bewusstsein der christlichen Völker eingegraben. Es ist die Vision der himmlischen Stadt Jerusalem, die auf die Erde kommt, um Himmel und Erde zu verbinden, damit Gott bei den Menschen und die Menschen bei Gott wohnen können. Die Gottesgeschichte der Welt begann in dem Garten Eden, der griechisch Paradies genannt wurde, und sie endet in einer Stadt: das himmlische Jerusalem auf der Erde. Das himmlische Jerusalem auf der Erde ist eine Gartenstadt, eine Einheit von Kultur und Natur. Die Bäume des Lebens stehen auf beiden Seiten des Flusses mit dem Wasser des Lebens (Offb. 21-22). Diese Stadt schließt nachts ihre Tore nicht, sie ist offen und gastfrei und sicher. Diese Gottesstadt hat keinen Tempel, denn die Herrlichkeit Gottes ist ihr Licht und erleuchtet jeden Menschen, der in ihr wohnt.

Das ist eine messianische Vision des Friedens, der Gott und die Menschen und die Natur in einer unermesslichen Fülle des Lebens umfasst. Es geht konkret um die gastfreundliche Stadt und um die offene Nachbarschaft in gegenseitiger Hilfe und um den »offenen Himmel«. Wir

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