Franziskus für Diakoninnen
Papst Franziskus will die Zulassung von Frauen zum Amt der Diakonin prüfen lassen. Wäre ein Joseph Ratzinger oder ein Karol Wojtyla jemals auf solch eine Idee gekommen? Diese früheren Päpste stehen für das römisches System, das Männern stets das Amt und die Macht gab, Frauen jedoch das Ehrenamt und die mühsame Arbeit.
Und nun Neues? Revolution? – Nicht einmal der Liebe Gott weiß genau, wie viele Frauenorden und Schwesterngemeinschaften es exakt in der katholischen Kirche gibt. Fest steht: Es gibt sehr, sehr viele. Rund 700 000 Frauen, die auf Familie und Ehe verzichten und ihr ganzes Leben radikal in den Dienst der Nachfolge Christi stellen. Die Frauenorden bilden innerkirchlich, also von Rom aus betrachtet, eine sehr, sehr große Macht. Eine geballte Macht, die bisher zumeist bei innerkirchlichem Streit brav die Augen niederschlug und schwieg. Dieweil die klerikalen Herren munter theologisierten und tonangebend das Wort führten.
Die Wucht der Frauenorden
Papst Franziskus traf am Donnerstag vor Pfingsten 870 Generaloberinnen katholischer Frauenorden aus aller Welt und kündigte bei einer Audienz in Rom die Einsetzung einer Kommission an. Die soll nun die Zulassung der Frauen zum Diakonenamt diskutieren. So berichtet es eine Teilnehmerin des denkwürdigen Treffens, Generaloberin Katharina Ganz von den Oberzeller Franziskanerinnen in Würzburg der katholischen Nachrichtenagentur. Die Oberinnen hätten die Frage nach dem Zugang zum »Ständigen Diakonat« insbesondere für Ordensfrauen an Papst Franziskus herangetragen und die Einrichtung einer offiziellen Prüfkommission vorgeschlagen, berichtet Ganz. Dies habe sich der Papst zu eigen gemacht. Nähere Aussagen zum Arbeitsauftrag, zur Zusammensetzung und zum Ziel der Kommission habe Franziskus aber nicht gemacht.
Der Vatikansprecher Pater Federico Lombardi, von Franziskus überrascht wie so häufig, sagt, es habe sich um eine spontane Äußerung des Papstes gehandelt. Möglicherweise gehe es schlicht darum, die Rolle von Diakoninnen in der frühen Kirche historisch zu untersuchen.
Dem widerspricht die deutsche Generaloberin. Sie könne es sich nicht vorstellen, dass eine rein historische Betrachtung des Themas ohne Konsequenzen für die heutige Praxis der Kirche bleibe.
Das katholische Kirchenrecht schreibt vor, dass nur ein getaufter Mann das Weihesakrament empfangen kann. Seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2013 spricht sich Papst Franziskus immer wieder für eine stärkere Rolle der Frauen in der katholischen Kirche aus.
Frauenmacht und Frauenohnmacht
Seit Jahrzehnten argumentieren feministische Theologinnen innerhalb der katholischen Kirche für das Diakonenamt für die Frau. Diese Theologinnen argumentierten mit Geduld und mit intellektueller Brillanz – doch das herkömmliche Männermachtregime im Vatikan zeigte ihnen stets die kalte Schulter. Doch jetzt ist alles anders – denn die Ordensoberinnen bewegen sich endlich und wünschen das Frauendiakonat für ihre Schwestern, die in aller Welt die Gemeindearbeit eh schon machen. Besonders in Weltregionen, in denen Krieg oder Unsicherheit, Elend und Armut herrschen, sind es Frauen – nicht Priester – die die Gemeindearbeit tragen.
Diakoninnen in der Bibel?
Die ersten Jahrhunderte der Kirchengeschichte kennen ein Frauenamt mit der Bezeichnung »Diakonin«. So heißt es etwa im Brief des Apostels Paulus (des theologischen »Kirchenmachers«) an die Gemeinde in Rom einige Jahrzehnte nach Jesu Leben: »Ich empfehle euch Phoebe, unsere Schwester, die Diakonos der Gemeinde in Kenchräa ist: Nehmt sie im Namen des Herrn auf, wie es Heiligen geziemt, und steht ihr bei...«.
Weibliche Diakone waren zum Beispiel in der Glaubensunterweisung, der Armenfürsorge und in der Arbeit mit Frauen tätig. In der lateinischen Westkirche sind Diakoninnen für die Zeit vom sechsten bis zum 13. Jahrhundert bezeugt. Verborgene Reste des Diakoninnen-Amtes hielten sich in Frauenorden und -klöstern. In der Ostkirche lebte die gute Tradition der Diakoninnen weiter.
Franziskus hat einen Schritt gemacht mit der Ankündigung, die Diakoninnen-Frage ernsthaft aufzugreifen. Klar – er spricht nicht vom Frauenpriestertum. Doch er wagt einen Schritt auf die Frauen zu. Bleibt abzuwarten, wie klug und zielstrebig er dies umsetzt. Sonst verliert seine Kirche in aller Welt immer noch mehr Frauen.
