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Gott lacht kräftig, auch über uns

Trotz aller Trübseligkeiten: Der Humor in den Kirchen kommt voran, sagt der Theologe und Kabarettist Fabian Vogt. Das ist ja mal eine gute Nachricht. Nicht nur zur Fassenacht
Es luthert, sogar in der Fassenacht: Pfarrer Fabian Vogt (links) und Physiker Martin Schultheiss im Kabarettprogramm »Luther bei die Fische«. (Foto: www.duocamillo.de)
Es luthert, sogar in der Fassenacht: Pfarrer Fabian Vogt (links) und Physiker Martin Schultheiss im Kabarettprogramm »Luther bei die Fische«. (Foto: www.duocamillo.de)

Publik-Forum: Herr Vogt, warum sind die Religionen oft so humorlos?

Fabian Vogt: Ganz einfach: Weil sie die Heiligkeit Gottes mit der gefühlten Heiligkeit ihrer Institution verwechseln. Die nehmen sich selbst zu wichtig.

Hat Ihr Gott Humor?

Vogt: Da wir im Reformationsjahr sind, antworte ich mit dem jungen Martin Luther: »Wenn Gott keinen Humor hätte, dann wollte ich auch nicht in den Himmel kommen.« Das sagte immerhin einer, dem es jahrzehntelang darum ging, den Himmel um jeden Preis zu erobern. Ich meine: Humor hat viel damit zu tun, dass man über den Dingen stehen kann. Und das trifft auf Gott sicherlich zu. In diesem Sinne nochmals Luther: »Wer immer und überall lachen kann, der ist ein wahrer Doktor der Theologie.«

Worüber lacht Gott?

Vogt: Von Platon haben wir gelernt, dass Humor etwas mit der Unterscheidung von Schein und Sein zu tun hat. Und wenn Gott vom Himmel zu uns herunterguckt und feststellt, was alles nicht so ist, wie es sein könnte, also wenig Sein und viel Schein, dann hat er doch ordentlich was zu lachen. Glaube ich jedenfalls.

Fastnacht, Karneval, Fasching - die fünfte Jahreszeit schied jahrhundertelang ernste Protestanten von närrischen Katholiken.

Vogt: Na ja, bei den Protestanten führte die Festlegung auf das Wort zu dem Irrtum, es müsse immer bierernst zugehen. Nebenbei: Genau das hat sie weit von Luther entfernt. Doch zum Glück sind die Protestanten in den letzten Jahrzehnten lockerer geworden, viele haben in puncto Fastnacht ökumenisch hinzugelernt. Da hat sich dann auch herumgesprochen, dass Verbissenheit mit der Freiheit des Glaubens nichts zu tun hat.

Die reformierte Baseler Bürgerschaft feiert seit jeher die berühmte Baseler Fastnacht eine Woche nach Aschermittwoch – um nicht mit den Katholiken aus dem Umland feiern zu müssen.

Vogt: Ja, wie so etwas Konfessionen trennen kann, wirkt ziemlich absurd. Das ist übrigens auch ein Punkt, über den Gott, wie ich meine, herzhaft lacht. Wenn man sich ernsthaft die Köpfe darüber zerbricht, gegen wen man feiern kann, dann zeigt das nur eines: Man hat man von der Befreiung durch Jesus Christus und vom Geist des Evangeliums noch nicht alles verstanden.

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Hält die Trennung bis heute an?

Vogt: Das hängt stark von den Regionen ab und von den tonangebenden Personen vor Ort. Ich kenne viele Gemeinden, in denen gibt es eine seit Jahrzehnten bewährte ökumenische Feiergemeinschaft zur Fastnacht. Zum Glück. Ich selbst habe mehrfach beim Männerballett mitgemacht oder bei »Katholikens musiziert« … war sehr inspirierend.

Als was waren Sie denn zuletzt verkleidet?

Vogt: Um ehrlich zu sein: als Käse. Also, ich hatte einen Käse-Hut auf. Ich gestehe aber: Der stammte aus meinem Bühnenfundus, weil ich eine Kabarettnummer habe, in der ich die Reformationsgeschichte anhand von Käsesorten erzähle.

Worüber lachen denn die deutschen Protestanten im Lutherjahr am meisten?

Vogt: Ich nehme an, über die Unstimmigkeiten, auf die sie stoßen, wenn sie sich in das Leben des 500 Jahre alten, fremden und fernen Luther vertiefen. Dann stellen sie nämlich fest, wie wenig sie von dem ernst nehmen, was dem Wittenberger Querdenker so wichtig war.

Der Protestant Ernst Schäfer und der Stadtdekan Walter Adlhoch stifteten in Frankfurt den Preis für Humor in der Kirche. 2003, bei Umstrukturierungen, wurde er beerdigt. Was meinen Sie: Kommt Humor in den Kirchen voran oder ist er auf dem Rückzug?

Vogt: Mein Eindruck ist, dass der Humor in den Kirchen vorankommt. Als ich vor 25 Jahren anfing, Kabarett zu machen, sorgte das mancherorts noch für Entsetzen. Leute sind aus Veranstaltungen rausgerannt, denn man dürfe doch keine Späße machen über Abendmahl, Gottesdienste oder Gottes Bodenpersonal. Mittlerweile haben fast alle Leute gemerkt, dass ein Lachen über unsere Ecken und Kanten nicht böse sein muss, sondern sehr hilfreich sein kann.

Kann man als Pfarrer Konflikte auch mal weglachen? Funktioniert das?

Vogt: Durchaus, wenn keiner ausgelacht wird und sich beispielsweise durch einen frechen Spruch gute Laune ausbreitet.

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2017
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Der Streit um den freien Willen
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