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Gott braucht uns

vom 10.05.2020
von Christina Bamberger

1988. Carmen war damals 19 Jahre jung. Optimistisch und voller Tatendrang. Sehr früh wusste sie, was sie wollte. Unterschied Wesentliches von Unwesentlichem. Immer wieder zu meiner Überraschung. Wie freute sich mein Herz beim Gedanken ›Ja, du bist mein Kind.‹
Doch dann kam das Unvorstellbare. Italienurlaub mit Freunden. Autounfall. Sie starb.
Die Trauer brachte viel Einsamkeit. Das Unbegreifliche stellte Fragen. Warum gerade sie? Wo warst du, Gott? Wo ihr Schutzengel? Wozu gabst du ihr Zukunftsträume? Liegt das Leben wirklich in deiner Hand? Doch der Himmel blieb stumm.

2020. Corona bricht aus. Bei uns? Wir haben doch alles im Griff! Wir haben Wohlstand und geordnete Verhältnisse. Und jetzt: Panische Angst vor Ansteckung. Ausgangsbegrenzung und Maskenpflicht. Ein weitgehend lahmgelegtes Leben. Das Miteinander auch. Großeltern ohne die jungen Familien. Einsame Menschen werden noch einsamer, auch in Heimen und Kliniken. Viele Sterben ohne den Trost ihrer Lieben. Schuldige werden gesucht. Gott eingeschlossen. Wie kann er das zulassen?

Eine Zeit lang trägt die Vernunft: Vorschriften, Immunisierung, Gesundheitsversorgung, Impfung. In der Pflege und im Ehrenamt gibt es neue Helden. Solche, die mehr als das eigene Überleben im Auge haben. Doch immer klarer wird: Viren sind mächtiger. Wie sie auch heißen mögen. Sie können wiederkommen. Und scheinbar bleibt der Himmel stumm.

Damals, 1988, blieb meine Trauer noch lange. Doch um mich her gab es Menschen mit ihrer Zuwendung und Wärme. Irgendwann wurden meine Gedanken durchlässiger und weicher. Und mein Glaube führte mich zu einem Gott, der sowohl bei mir als auch bei Carmen ist. Bei ihm ist sie jetzt gut und gerne aufgehoben.

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Ein Corona-Erlebnis: Er ist ein junger Senior. Seine Frau kündigt Freundschaft und Ehe auf. Seine Not führt ihn zu Schwester und Schwager. Sie nehmen ihn auf, selbstverständlich und gerne. Trotz Risiko und Verbot. Nach dieser ersten Erholung will er alles neu sortieren. Seine Tochter mit ihrer Familie (eine kleine Enkelin) lädt ihn zu sich ein. Sie erkennen: Der Vater braucht uns. Hut ab vor Menschen, die ihre je eigene Position zu Fürsorge und Liebe behalten.

Aus der Covid-19-Krise heraus mögen und dürfen wir begreifen, wie wir einander brauchen. Nur gemeinsam können wir zu einem Leben in Fülle gelangen. Auch können wir das Heil, das wir ersehnen, nicht nur für uns selbst vorsehen. Unser aller Handeln hat Einfluss im gemeinschaftlichen Sinne. Und gerade solche Momente erinnern an das Vorbild Jesu. Fangen wir damit an! Gemeinsam. Gott braucht uns. Und wir dürfen darauf vertrauen: Unser aller Leben ist eingeschrieben in seinem Herzen. Von Herzen also wünscht er uns Frohsinn, Freude und Frieden. Natürlich GEMEINSAM.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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